Am Morgen vorgelesen

Die Sonnabend-Story: Stadt der Engel oder The overcoat of Dr. Freud

Samstag, 16. März 2019, 08:30 bis 09:00 Uhr

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Christa Wolf zu Gast im Rolf Liebermann Studio des NDR

Auf ihrem Grabstein auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin steht nur ihr Name und ihre Lebensdaten: Christa Wolf - 1929 bis 2011. Der große weiße Stein sieht aus wie ein weißes Blatt Papier, das darauf wartet, von ihr beschrieben zu werden. Aber Christa Wolf hatte wohl alles gesagt, was sie sagen wollte über ihre Erfahrungen und Reflektionen über ein Land, das sie jahrzehntelang unter einem „geteilten Himmel“ erlebt hatte. In der Weimarer Republik geboren, frühe Kindheit und Pubertät im Nationalsozialismus, als junge Frau und Studentin in der gerade gegründeten DDR sozialisiert, begann sie zu Beginn der 60er Jahre ihre Laufbahn als Schriftstellerin. Mut und utopische Phantasie, aber auch Melancholie und Eigensinn prägten ihr literarisches Schaffen. Werke wie "Der geteilte Himmel", "Nachdenken über Christa T.", "Kein Ort. Nirgends.", "Kassandra" und "Medea. Stimmen" gehören bis heute zum Kanon der deutschsprachigen Literatur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Als eine Art Lebensbilanz veröffentlichte sie 2010 das Buch "Stadt der Engel oder The overcoat of Dr. Freud", worin sie ausgehend von einer Amerika-Reise, die sie nach dem Berliner Mauerfall unternahm, auf die vergangenen Jahrzehnte zurückblickte. Es sollte ihr letztes großes Buch werden. Ein Jahr vor ihrem Tod hat sie es selbst für den Audio-Verlag eingelesen – sehr nachdenklich, mit einer Trauer unterlegt, als hätte sie gewusst, dass dies ihr letztes Erbstück sei. Am 18. März, also übermorgen vor 90 Jahren, wurde Christa Wolf geboren. Aus diesem Anlass hören Sie heute eine zentrale Passage aus dieser Lesung aus ihrem Buch "Stadt der Engel".