Am Morgen vorgelesen

Die Sonnabend-Story: Pat Hobbys Wunschzettel

Samstag, 05. Dezember 2020, 08:30 bis 09:00 Uhr

Scott Fitzgerald gilt als der Vertreter der "verlorenen Generation" und sein autobiographisch gefärbtes Werk verarbeitet die gesellschaftlichen Veränderungen nach dem Ersten Weltkrieg. Er wurde am 24. September 1896 in Saint Paul (Minnesota) geboren und starb am 21. Dezember 1940 in Beverly Hills.
Porträt aus dem Jahre 1926 des amerikanischen Schriftstellers Francis Scott Fitzgerald.

Der Amerikaner Francis Scott Fitzgerald, der 1896 geboren wurde und, nur vierundvierzig Jahre alt, 1940 in Hollywood starb, ist von einer Art Legende umgeben: als Dichter des Jazz-Zeitalters und Liebling der zwanziger Jahre. Er gehörte zur Generation der Hemingway, Faulkner, Thomas Wolfe und Dos Passos, und es war Hemingway, der erklärte: "Scott Fitzgerald war der größte unter uns allen." Er war der Autor eines vergleichsweise schmalen Werks, das aus vier Romanen, einer größeren Zahl von Erzählungen und einem nachgelassenen Romanfragment besteht, aber das ist nicht weiter verwunderlich bei einem Schriftsteller, dem kaum zwanzig Jahre zum Schreiben blieben.

"Er ist der Beste"

Das Echo, das Fitzgeralds Bücher bei ihrem Erscheinen hatten, war ungewöhnlich groß. Als 1925 der Roman "Der große Gatsby" herauskam, Fitzgeralds bekanntestes Buch, schrieb der aus den USA stammende, in England lebende Lyriker und Dramatiker T.S. Eliot in einem Brief an den Autor, das Buch habe ihn "mehr betroffen und erregt als irgendein anderer neuer Roman aus England oder Amerika, der mir in den letzten Jahren zu Gesicht gekommen ist. Es scheint mir der erste Schritt zu sein, den der amerikanische Roman seit Henry James gemacht hat." Dashiell Hammett, der berühmte Krimi-Autor, erklärte: "Schade, daß Fitzgerald nicht weiß, wie gut er ist. Er ist der Beste." Gertrude Stein, die geistige Ziehmutter vieler amerikanischer Künstler im Paris der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, prophezeite schon früh: "Man wird über Scott Fitzgerald noch reden, wenn die Namen der meisten schreibenden Zeitgenossen verblichen sind." Gertrude Stein hat recht behalten.

Lebenslauf eines Idols

Aber Fitzgeralds zu Lebzeiten hochschießender Ruhm musste nicht anders als sein literarisches Ansehen eine kritische Phase überstehen, die zehn Jahre vor seinem Tod einsetzte und erst zehn Jahre nach seinem Tod überwunden war. Sein Lebenslauf war der eines Idols, das sich allzu rasch selbst überlebte. Wie kein anderer repräsentierte Fitzgerald jene roaring twenties, in denen die amerikanische Nachkriegsgeneration den Verlust ihrer Ideale durch ein Äußerstes an hektischer Lebensgier zu kompensieren trachtete. Gertrude Stein hat sie die "lost generation", die "verlorene Generation", genannt, und Francis Scott Fitzgerald war ihr blendender und brillanter Exponent. Als das Jazz-Zeitalter, dem er den Namen gegeben hatte, in den Strudeln der Weltwirtschaftskrise von 1929 unterging, begann auch sein Ruhm zu verblassen, ja, wie Günter Blöcker, einer von Fitzgeralds frühen deutschen Fürsprechern, schrieb, "etwas Anrüchiges zu bekommen, an das man nicht mehr erinnert sein wollte." Ende 1944 starb er als ein Halbvergessener in Hollywood, gezeichnet von Alkohol, privaten Katastrophen – etwa der so vielen Schwankungen unterworfenen Ehe mit Zelda Fitzgerald – und dem vergeblichen Bemühen, als Drehbuchautor zu neuer Geltung zu gelangen. – Aus Fitzgeralds später Zeit stammen seine siebzehn Hollywood-Stories, in deren Mittelpunkt Pat Hobby steht, ein einst erfolgreicher und jetzt fast unbeachteter Drehbuchautor. Es fällt nicht schwer, hinter seinen Erlebnissen die des Autors Scott Fitzgerald zu vermuten.

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