Am Morgen vorgelesen

Die Sonnabend-Story: 1984

Samstag, 25. Juli 2020, 08:30 bis 09:00 Uhr

"1984" gehört zu den berühmten utopischen Romanen des zwanzigsten Jahrhunderts, allerdings zu den negativen Utopien, die von den geschichtlichen Erfahrungen des Nationalsozialismus und des Stalinismus ausgingen. Die Entstehung des Romans, der 1949 erschienen ist, läßt sich von dem konkreten historischen Hintergrund nicht lösen, ebenso sein tiefer Pessimismus.

Aber in seiner Wirkungsgeschichte wurde "1984" nicht nur zur alptraumartigen Beschreibung einer totalitär beherrschten Welt, sondern auch zum Synonym für die vollständige Unterwerfung des Individuums unter einen Herrschaftsapparat, der mit Hilfe der modernen Technik und unter Anwendung physischen und psychischen Terrors in die Intimsphäre des Menschen eindringt und sich sogar ihrer Gedanken bemächtigt. Orwell gibt in diesem Roman seiner Überzeugung Ausdruck, dass die Zerstörung des Menschen durch einen immer weiter perfektionierten Staatsapparat unaufhaltsam ist. Und wenn sich Orwells düstere Prophetien bisher nicht bewahrheitet haben, so sind sie nicht schon deshalb widerlegt, weil das prophezeite Jahr ihrer Verwirklichung, das Jahr 1984, schon längst vergangen ist.

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