Am Morgen vorgelesen

Die Sonnabend-Story: Der Verschwiegene

Samstag, 25. April 2020, 08:30 bis 09:00 Uhr

Der Autor und Hörbuchsprecher Gert Heidenreich. © dpa Foto: Arno Burgi
Der Autor und Hörbuchsprecher Gert Heidenreich.

In Corona-Zeiten ist Home-Office in der Arbeitswelt das Gebot der Stunde. Doch die Geister scheiden sich: Die einen lieben es, die anderen kommen nicht zurecht, kämpfen mit unzureichender Technik, den Kindern, die beschäftigt sein wollen, oder schlichtweg mit dem Gefühl, einsam und abgeschnitten zu sein von den täglichen, gewohnten Abläufen mit den Kolleginnen und Kollegen.

Vor dreißig Jahren begann die digitale Evolution die Welt, alle Bereiche von Wirtschaft, Staat, Gesellschaft und Alltag zu verändern. Dieser Aufbruch war verbunden mit Machbarkeitsillusionen und sehr optimistischen Erwartungen. Die Technik hat sich seitdem perfektioniert, funktioniert weltweit und oft auch in bester Qualität. - Doch was geschieht dabei mit den Menschen? Was geschieht, wenn Home-Office zum Dauerzustand wird, wenn der Chef den Mitarbeiter, die Mitarbeiterin nur noch bestenfalls "auf dem Schirm", aber nicht mehr leibhaftig sieht? Josef, wohl nicht ganz zufällig Namensvetter des berühmten Prokuristen Josef K., gerät in diese kafkaeske Lage. - Schon in den neunziger Jahren schrieb der Schriftsteller und Hörbuchsprecher Gert Heidenreich geradezu prophetisch seine Satire "Der Verschwundene", die im Jahr 2000 in seinem Erzählband "Der Mann, der nicht ankommen konnte" erschienen ist. Heidenreich erhielt für sein umfangreiches schriftstellerisches Werk, das neben Erzählungen und Romanen auch zahlreiche Drehbücher umfasst, viele Preise, darunter 2016 den Adolf-Grimme-Preis für besondere journalistische Leistungen. Als Sprecher erhielt Gert Heidenreich 2019 den deutschen Hörbuchpreis als bester Interpret.

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