Am Morgen vorgelesen

Die Sonnabend-Story: Der Weg zwischen Himmel und Erde

Samstag, 14. März 2020, 08:30 bis 09:00 Uhr

Selma Lagerlöff war eine der berühmtesten und meistgelesensten Schriftstellerin ihrer Zeit. Geboren 1858, gestorben 1940 im Alter von 82 Jahren erreichte sie in ihrem langen Schriftstellerleben eine fast erdrückende Popularität. Vor allem durch ihren Roman "Gösta Berling", "Jerusalem" und "Nils Holgerssons wunderbare Reise mit den Wildgänsen". Sie stammte aus Värmland, wo ihre Eltern den Hof Mårbacka bewirtschaften. Als Kind oft kränkelnd, besuchte sie später das Lehrerinnenseminar in Stockholm und wurde Lehrerin in Landskrona, wo sie mit den intellektuellen Strömungen ihrer Zeit bekannt wurde. Früh entstand jedoch eine gewisse Spannung zu dem damals vorherrschenden wissenschaftlichen Rationalismus.

Selma Lagerlöff beschäftigte sich mit den alten Märchen ihrer Heimat, die auch auf ihren ersten Roman "Gösta Berling" Einfluss nahmen, der nach 10jähriger Arbeit 1891 erschien und als erstes großes Werk der Neuromantik den Bruch mit dem Naturalismus markierte, dessen Hauptvertreter damals in Schweden August Strindberg. In "Gösta Berling" stehen sozialrevolutionäre Ideen neben der romantischen Verherrlichung von Genie und Schönheit.

In den nächsten Jahren kam Selma Lagerlöff auf Reisen nach Italien, Ägypten und Palästina. Auch in ihren Erzählungen und Legenden greift sie nun historische und biblische Stoffe auf. Bleibt aber interessiert an den brennenden sozialen Problemen der Zeit. Etwa am Vagabundenwesen und dem Problem des Alkoholismus. Sie beschäftigt sich mit der Frage des Friedens und mit der Psychologie der Geisteskranken.

Nach der Jahrhundertwende erscheint ihr Roman "Jerusalem". Das erzählerisch wohl ausgereifteste Werk, das von der Auswanderung schwedischer Bauern nach Palästina berichtet. Dem religiösen Mystizismus setzt die Autorin als Gegengewicht die Ideale von Gerechtigkeit, Willenskraft und Demut entgegen. 1904 erscheinen die ungemein populären "Christuslegenden". 1906/1907 das Buch vom kleinen Nils Holgersson der auf dem Rücken von Wildgänsen über Schweden fliegt. Ein pädagogisch didaktisches Meisterwerk. 1907 wurde Selma Lagerlöff Ehrendoktor der Universität von Uppsala. 1909 erhielt sie den Nobelpreis für Literatur. 1914 wurde sie als erste Frau in die Schwedische Akademie gewählt. Seitdem lebte sie auf dem vorübergehenden Mårbacka Hof, den sie nach dem Bankrott der Eltern zurückkaufen konnte. Auch hier entstanden zahlreiche weitere Bücher. Etwa "Der Kaiser von Portugallien" und ihre autobiografischen Werke. Zu den bedeutendsten kleinen Prosaarbeiten Selma Lagerlöffs gehört die Erzählung "Der Weg zwischen Himmel und Erde", die thematisch an einige der großen Erzählungen Tolstois, vor allem an den "Tod des Iwan Iljitsch" erinnert.

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