Das Gespräch

Gast: Anne van Aaken

Samstag, 24. November 2018, 18:00 bis 18:30 Uhr

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Wie viel Psychologie steckt in den Entscheidungen der Politik? Verhaltensökonomin Anne van Aaken stößt bei ihrer Forschung immer wieder auf einen erstaunlichen Befund.

Wie verhandelt man mit Terroristen? Welches Erlebnis von Verlust steckt hinter dem russischen Einmarsch auf der Krim? Wie lässt sich durch einen simplen Dreh in den Vereinbarungen die Zahl der Organspender vervielfachen? Oder anders gefragt: Wie viel Psychologie steckt in den Entscheidungen der Politik?

Die Juristin und Ökonomin Anne van Aaken erforscht die Bedingungen des politischen Geschäfts mit den empirischen Methoden von Experiment und Befragung - und stößt dabei immer wieder auf einen erstaunlichen Befund: Auch Friedensverhandlungen oder globale Abkommen zum Klimaschutz folgen den gleichen Mustern wie jedes Geschäft und jede Vereinbarung im Alltag. Das Verhalten orientiert sich nur scheinbar an den Gesetzen einer rationalen Ökonomie. Tatsächlich steuern Ängste, Egoismen und typische Denkfehler die Entscheidungen: Verhaltensökonomie ist reine Psychologie.

Anne van Aaken hat in St. Gallen Völkerrecht gelehrt und gerade ihre Arbeit an der Universität Hamburg aufgenommen; die Alexander von Humboldt-Professur, die ihr dazu verliehen wurde, ist mit fünf Millionen Euro der höchstdotierte Forschungspreis der Welt.

Im Gespräch mit Martin Tschechne erläutert die Wissenschaftlerin ihre Pläne zur Erforschung von Rechtsnormen da, wo jede Gemeinsamkeit erst ausgehandelt werden muss. Sie skizziert, mit welchen Anreizen und Argumenten die Vertreter humanitärer Organisationen die Rekrutierung von Kindersoldaten eindämmen könnten. Und sie begründet, warum es vom Erfolg im Roulette abhängt, wie hoch einer die Zahl afrikanischer Staaten in den Vereinten Nationen einschätzt.