Das Gespräch

Gast: Ulrich Krempel

Samstag, 20. April 2019, 18:00 bis 18:30 Uhr

Lange hatte sich der Maler Emil Nolde nach dem Zweiten Weltkrieg als Opfer des Nationalsozialismus stilisiert. Doch eine neue Berliner Ausstellung wirft jetzt einen kritischen Blick auf den Expressionisten, auf seinen Antisemitismus und auf seine Nähe zum NS-Regime. Damit ist eine neue Diskussion um Nolde entbrannt - und um die Frage, ob man das Werk von seinem Erschaffer trennen kann.

Zu Noldes Werk gehören auch die "Sonnenblumen" aus dem Jahr 1926. Der Gründungsintendant des Nordwestdeutschen Rundfunks, Adolf Grimme, hat es 1950 gekauft; die Förderung des kulturellen Lebens gehörte zu den Aufgaben des jungen Senders. Aus den Räumen des NDR wurden die "Sonnenblumen" dann jedoch 1979 gestohlen, die Diebe wurden nie geschnappt. Fast 40 Jahre war das Gemälde verschwunden - ehe es überraschend wieder aufgetaucht ist.

Über diesen Kunst-Krimi hat NDR Kultur im vergangenen November ausführlich berichtet - und sich bereits damals auch mit Noldes höchst ambivalenter Rolle während des Nationalsozialismus beschäftigt. Jetzt sind die wiederaufgetauchten "Sonnenblumen" wieder dem Publikum in Norddeutschland zugänglich: Zu sehen sind sie im Sprengel Museum Hannover, in der Jubiläums-Ausstellung "Elementarteile" zum 40. Geburtstag des Hauses.

Claudia Christophersen spricht mit Ulrich Krempel - dem früheren Direktor des Sprengel Museums, der früh vom "Sonnenblumen"-Fund wusste - über dieses Gemälde, über die Kunst von Emil Nolde und über seine Verstrickung mit dem NS-Staat.