Das Gespräch

Zu Gast: der französische Schriftsteller Édouard Louis

Samstag, 08. Juni 2019, 18:00 bis 18:30 Uhr

Bild vergrößern
Édouard Louis sieht seine Aufgabe als Schriftsteller darin, "denen eine Stimme zu geben, die verstummt waren angesichts der Verlogenheit der Welt".

Mit seinem autobiografischen Debütroman "Das Ende von Eddy" wurde Édouard Louis 2014 mit einem Schlag bekannt. Er erzählt darin von seiner Kindheit in der nordfranzösischen Provinz, von den Diskriminierungen, denen er als homosexueller Junge ausgesetzt war: "In dem Dorf, in dem ich groß geworden bin, hörte man mindestens 300 Mal am Tag das Wort Schwuchtel." Großes Aufsehen erregte Louis auch mit seinem aktuellen Roman "Wer hat meinen Vater umgebracht". Das Buch kam in Frankreich wenige Monate vor Beginn der Gelbwesten-Proteste heraus, die es fast prophetisch vorwegzunehmen schien. Im Mittelpunkt steht das Schicksal von Louis’ Vater, einem einfachen Fabrikarbeiter, der, so Louis, Opfer der auf Sozialabbau ausgerichteten Politik der vergangenen Jahrzehnte geworden sei.

Louis zählt zu den scharfen Kritikern von Präsident Emmanuel Macron und hat sich früh mit der Gelbwestenbewegung solidarisiert. Endlich, sagt er, würden soziale Missstände klar benannt. Auch seine eigene Aufgabe als Schriftsteller sieht er darin, "denen eine Stimme zu geben, die verstummt waren angesichts der Verlogenheit der Welt". Deshalb fordert er im Gespräch mit Katja Weise eine neue, autobiografisch ausgerichtete Literatur: "Das zwingt die Leserinnen und Leser, sich mit der Realität auseinanderzusetzen."