Stand: 21.02.2019 17:14 Uhr

Arp Schnitger: Ein Stradivari der Orgel

Niemand hat in der Epoche um 1700 so prachtvolle und klangschöne Barockorgeln gebaut wie Arp Schnitger (1648-1719). Der aus der Wesermarsch stammende Meister unterhielt eine stark gefragte Werkstatt in Hamburg und baute weit über 100 Orgeln.

Arp Schnitger Orgeln in Norddeutschland

Sein Können machte Schnitger zu einem der berühmtesten Instrumentenbauer seiner Zeit. Bach, Händel, Buxtehude bewunderten und schätzten seine Orgeln. Schon zu Lebzeiten wurden sie in ganz Europa gerühmt und nachgefragt, nicht nur in Berlin, Bremen, Magdeburg oder Lübeck - Schnitger lieferte auch in die Niederlande, nach England, Dänemark, Russland, Spanien und Portugal. Weltweit gibt es heute noch etwa 30 Instrumente, die man mit Recht als Arp-Schnitger-Orgeln bezeichnen kann, die meisten davon in Norddeutschland.

In zwölf Folgen durch Norddeutschlands Orgellandschaft

Selten waren diese Instrumente in so gutem Zustand wie heute, wurden sie in den zurückliegenden Jahrzehnten doch mit wachsendem Sachverstand restauriert. Der Organist und Orgelsachverständige Harald Vogel hat diesen Prozess aktiv begleitet und stellt die norddeutschen Schnitger-Orgeln im Gespräch mit Hans-Heinrich Raab in 12 Sendungen der Reihe "Ein Stradivari der Orgel" vor.

Folge 2: Die berühmteste und besterhaltende Schnitger-Orgel

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Ein Stradivari der Orgel (2/12)

24.02.2019 18:00 Uhr

Die Schnitger-Orgel in St. Peter und Paul Cappel wurde schon in den 1950er-Jahren weltberühmt durch die Bach-Aufnahmen von Helmut Walcha. mehr

Oft ist nicht Armut der größte Feind historischer Bausubstanz, sondern Reichtum und der Wunsch, sich etwas Moderneres zuzulegen. Auf diese Weise ging es auch ungezählten Orgeln an den Kragen. Nur wenige hatten das Glück, dabei nicht verschrottet zu werden, sondern einen neuen Standort zu finden, weil sich Interessenten fanden, die sie kauften. Dieses Glück hatte die kleine aber selten feine Orgel der Hamburger St. Johannis-Klosterkirche, die 1816 verkauft wurde, weil sie nicht mehr gebraucht wurde. Die Kirche wurde abgerissen.

Der junge Arp Schnitger hat gerade mit diesem Instrument seine Visitenkarte in der reichen Hansestadt hinterlassen; große Folgeaufträge sollten folgen. Da im St. Johannis-Kloster auch Hamburgs Kantorei untergebracht war, haben hier auch die großen oratorischen Aufführungen stattgefunden - unter Leitung von Georg Philipp Telemann oder der seines Nachfolgers Carl Philipp Emanuel Bach zum Beispiel. Aber nicht nur diese beiden Musiker dürften auf ihr gespielt haben, sondern es ist sehr wahrscheinlich, dass sich auch Georg Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach während ihrer Hamburg-Aufenthalte die Möglichkeit nicht entgehen ließen, das prachtvolle Instrument zu spielen. Der original erhaltene Spieltisch atmet also Musikgeschichte.

Die neue Heimat der Orgel Cappel widerum lag im Lande Wursten so weit ab vom Schuss, dass die Orgel sogar die Zinnplünderungen des Ersten Weltkriegs schadlos überstand. Heute gilt sie deshalb als eines der besterhaltenen Zeugnisse der Schnitger'schen Orgelbaukunst.

Die erste Folge zum Nachhören

Ein Stradivari der Orgel (1/12) - St. Cosmae in Stade

Harald Vogel stellt in der ersten Folge der Schnitger-Reihe die Orgel in St. Cosmae in Stade ausführlich vor. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Arp Schnitger Reihe | 24.02.2019 | 18:00 Uhr

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