Stand: 27.05.2019 12:53 Uhr

Christian Rode liest Satiren von Jonathan Swift

Am Abend vorgelesen

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Jonathan Swifts weltliterarischer Ruhm beruht vor allem auf seinem Roman "Gullivers Reisen".

Jonathan Swift wurde 1667 in Dublin geboren und ist dort 1745, im Alter von 78 Jahren, gestorben. Er wuchs in großer Armut auf. Nach dem Studium der Theologie in Dublin wurde er fünf Jahre Sekretär des Schriftstellers Sir William Temple. 1694 bekam er eine Pfarrstelle. Doch schon nach vier Jahren kehrte er in Temples Haus zurück und gab nach dessen Tod seine Werke heraus. Seit 1713 war er Dekan im irischen St. Patrick. Doch reiste er häufig nach London und mischte sich in die Kämpfe zwischen den Whigs und den Tories ein. Er starb von schwerer Krankheit gezeichnet und in geistiger Umnachtung.

Sein weltliterarischer Ruhm beruht vor allem auf seinem Roman "Gullivers Reisen" aus dem Jahr 1726. In dieser genialen Satire zog er die Summe seiner politischen und menschlichen Erfahrungen. Das satirische Element durchdrang fast sein gesamtes Werk. Swift nannte die Satire "eine Art Spiegel, worin der Betrachter im Allgemeinen das Gesicht eines jeden erkennt, nur das eigene nicht".

Krankhafter Misanthrop

Der Schriftsteller ist oft als krankhafter Misanthrop bezeichnet worden, und in der Tat war er äußerst empfindlich für die Unbequemlichkeiten und Unzulänglichkeiten des menschlichen Körpers und seiner physischen Funktionen, seine Unsauberkeit, seine Gerüche und die Absurdität des Geschlechtsaktes, sofern man ihn methodisch betrachtet. Swifts Scharfblick, schrieb Ifor Evans in seiner "Kurzen Geschichte der englischen Literatur", "zerriss alle Schleier, und 'Gulliver' ist nicht nur eine großartige Geschichte, sondern auch eine gegen das Menschengeschlecht erhobene Anklage, weil es nicht gewillt ist, Vernunft und Wohlwollen als Richtschnur des Lebens anzuerkennen. Er empfahl den Menschen, erst einmal ihr Zusammenleben ohne Krieg und Korruption zu ordnen, bevor sie sich ehrgeizigen Studien widmen."

Kennzeichnend für Swift ist die Klarheit seiner Prosa, die vom kraftvollsten Geist seiner Zeit gestützt wird. Nie ist eine Wendung missverständlich, und jedes einzelne Argument wird mit äußerster Sicherheit entwickelt.

NDR Kultur sendet zwei Satiren dieses Autors: "Über die Ursachen der elenden Lage Irlands, mit einem bescheidenen Vorschlag, sie abzuwenden" und "Die Flucher-Bank oder Parlamentarische Garantie für die Errichtung einer neuen Bank in Irland. Darin die Heilkräftige Wirkung der Flüche untersucht wird". Zu hören sind sie am 31. Mai, von 22 Uhr bis 22.30 Uhr im Programm von NDR Kultur und stehen nach der Ausstrahlung für 24 Stunden - von 22 Uhr bis 22 Uhr des Folgetages - zum Nachhören bereit.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Am Abend vorgelesen | 31.05.2019 | 22:00 Uhr