Stand: 14.09.2018 15:27 Uhr

Víkingur Ólafsson spielt Johann Sebastian Bach

Johann Sebastian Bach
von Víkingur Ólafsson
Vorgestellt von Chantal Nastasi

Seine ersten drei CDs brachte er auf seinem eigenen Label "Dirrindi" heraus. Inzwischen hat man sein Talent erkannt: Der isländische Pianist Víkingur Ólafsson ist seit drei Jahren bei der Deutschen Grammophon unter Vertrag und die "New York Times" bezeichnete ihn schon einmal als "Iceland's Glenn Gould". Wie Glenn Gould hat auch Víkingur Ólafsson sowohl ein Faible als auch einen besonderen Zugang zu Bach. Seine aktuelle Einspielung ist ganz Bachs Musik gewidmet.

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Pianist Víkingur Ólafsson ist einer von Islands Shootingstars der Klassik-Szene.

Dass das Präludium G-Dur BWV 902 am Anfang seiner Bach-CD steht, ist kein Zufall. Monatelang hat Víkingur Ólafsson an der Reihenfolge der einzelnen Stücke gefeilt, um möglichst viele Facetten von Bachs Musik zu zeigen. Musik, die in sich schon facettenreich ist durch die komplexe Struktur, durch die Vielzahl der Stimmen, die abwechselnd in den Vordergrund treten.

Unbekannte Präludien und Fugen und andere sehr bekannte aus dem Wohltemperierten Klavier kombiniert Ólafsson mit Bachs Inventionen, mit Bearbeitungen seiner Choräle und mit der "Aria variata", die neben den "Goldberg-Variationen" Bachs einziges Variationswerk ist.

Beeindruckende Klarheit

Ólafssons Bach ist sehr lebendig, motorisch und transparent. Die Klarheit, die er trotz der häufig schnellen Tempi erreicht, ist beeindruckend. Umso überraschender klingen dann die wenigen versonnenen Momente, die bei aller Intimität im Ton und seinem weichen Anschlag immer noch die Struktur betonen.

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Reich und sparsam zugleich - das sei das Paradoxon, das beim Aufschlagen einer Bachschen Partitur sofort deutlich würde, schreibt Ólafsson im Booklet, der sich deutlich gegen einen zu sentimental gespielten Bach ausspricht ebenso wie zu einem allzu kalkulierten und mathematischen.

Nah an Goulds Fassungen

Dass Ólafssons Spiel mit dem von Glenn Gould verglichen wird, kommt nicht von ungefähr: Olafsson hat sich viel mit diesem Maßstab setzenden Bach-Interpreten auseinandergesetzt, aber auch mit anderen, von Edwin Fischer über Rosalyn Turck bis Martha Argerich. Doch das häufig Schlanke und Quirlige seiner Interpretationen und seine rasanten Tempi sind nah an Goulds Fassungen.

Ólafssons Bach überzeugt durch seine extreme Dichte. Atemlos hört man zu, da der junge Isländer jede technische Hürde meistert und pausenlos nach vorne preschen kann. Manchmal wünscht man sich ein wenig mehr Ruhe. Die gib es zwar in Form von langsamen Stücken, in Bach-Bearbeitungen durch Busoni zum Beispiel. Doch sie wirken wie kalkulierte Ruheinseln in einem Gesamtaufbau, zu gewollt in ihrem meditativen Ausdruck.

Große Extreme in Charekter und Tempo kann man bei diesem Bach bewundern. Auch wenn Bachs Musik sich sicherlich nicht nur zwischen Extremen bewegen sollte, so hat Ólafssons Interpretation und sein sehr direkter Ton eine bezwingende Logik, die einen fast physisch ergreift.

Johann Sebastian Bach

Label:
Deutsche Grammophon

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 17.09.2018 | 15:20 Uhr