Stand: 17.04.2020 12:34 Uhr

Teodor Currentzis dirigiert Beethovens Fünfte

von Friederike Westerhaus

Intenational sorgt der Dirigent Teodor Currentzis für Furore. Seit 2018/19 ist er Chefdirigent des SWR Symphonieorchesters. Schon 2004 gründete er in Nowosibirsk das Ensemble MusicAeterna, bestehend aus einem Orchester und einem Chor. Zum Beethoven-Jahr hat Teodor Currentzis mit MusicAeterna jetzt die 5. Sinfonie veröffentlicht - ganz frisch als Download auf dem Markt, ab Juni dann als CD.

Teodor Currentzis © picture alliance/Barbara Gindl/APA/dpa
Ein echter Perfektionist: Teodor Currentzis

Teodor Currentzis ist ein echter Pultstar. Und das liegt auch an seinen kompromisslosen Interpretationen - vor allem mit dem von ihm gegründeten Orchester MusicAeterna. Mit dem prescht Currentzis förmlich hinein in den berühmten Anfang von Beethovens 5. Sinfonie - der Auftakt zu einem faszinierenden musikalischen Geschehen.

Überraschende Einfälle

Currentzis und sein 2004 gegründetes Ensemble sind eine eingeschworene Gemeinschaft. Die Musiker kennen Currentzis aus dem Effeff, sie können ihn genau lesen - und er vertraut ihnen und weiß, dass sie ihm auch bei überraschenden Einfällen folgen. Dadurch ist im Live-Konzert eine so große Spontaneität beim Musikmachen möglich, dass die Musik oft gerade erst geschrieben zu sein scheint.

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Diverse CD-Cover © NDR Online Foto: Christiane Irrgang

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Viel von diesem Live-Charakter haben Currentzis und die Musiker in die vorliegende Aufnahme hinüberretten können. Dabei ist Currentzis ein echter Perfektionist: nicht nur detailfreudig, sondern geradezu detailversessen. Die ersten zwei Minuten des zweiten Satzes Andante reichen, um auf engem Raum ganz unterschiedliche Ausdrucksfacetten zu erleben: der tänzerisch, beschwingte Anfang, dann die krassen Akzente und das nebulöse Piano.

Wie im Rausch

Das ist dicht und intensiv - eine ausdifferenzierte, pointierte Erzählung, der man gebannt zuhört. Der Biss, der sich schon hier in den Akzenten zeigt, wird zur treibenden Kraft im dritten Satz und dem Finale. Currentzis hält förmlich ein Schlaglicht auf die Pauke - sie lässt die Kontraste so rigoros wirken. Da ist nichts geglättet, sondern Currentzis lässt die Klänge ganz bewusst aufeinanderprallen. Und Kleinigkeiten werden zu Hinhörern, wie eine rhythmische Verschiebung in den Celli und Bässen.

Currentzis und MusicAeterna scheinen sich geradezu in einen Rausch zu spielen - das Finale steigert sich zu einem rastlosen, vorwärtsdrängenden Sturm. Die Präzision geht dabei aber nicht verloren, es bleibt durchhörbar und klar. Eine scharfkantige Interpretation ist hier entstanden, die einem gerade das Revolutionäre in Beethovens Musik vor Augen führt.

Beethoven: Sinfonie Nr. 5

Label:
Sony Classical

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 19.04.2020 | 15:20 Uhr

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