Stand: 06.03.2020 17:58 Uhr

Intensiv und poetisch: Neue CD von Patricia Petibon

von Friederike Westerhaus

Die Sopranistin Patricia Petibon ist eine starke Stimme in der Musikwelt, gerade wenn es um Barockmusik geht. In Mailand, Wien oder bei den Salzburger Festspielen begeistert sie seit Jahrzehnten das Publikum. Dabei reicht ihr Repertoire von Händel über Mozart und den französischen Impressionismus bis hin zu Alban Berg. Mit ihrer Klavierpartnerin Susan Manoff knüpft Patricia Petibon jetzt an das gemeinsame Album "La Belle Excentrique" an, auf dem impressionistische Lieder zu hören waren.

Patricia Petibon © dpa Foto: Gustavo Cuevas
Das neue Album ist das Debüt der 50-jährigen Patricia Petibon bei Sony Classical, die zuvor bei der Deutschen Grammophon unter Vertrag stand.
Lieder mit großer Tiefe

Die Liebe, der Tod und das Meer, im Französischen der klangvolle Dreiklang "L'Amour, la Mort, la Mer" - so hat Patricia Petibon ihr neues Album genannt. Auf den ersten Blick mag diese Verbindung etwas überraschend sein. Aber beim Hören der CD erschließen sich mehr und mehr Facetten, die diese Sphären verbinden. Etwas Unfassbares, Unerklärliches, eine große Weite, auch Sehnsucht, Leidenschaft - und Tiefe. Die Lieder, die Petibon auf dieser CD singt, sind nicht seicht oder einfach unterhaltsam. Sie haben in ihrer Emotionalität eine große Tiefe - auch wenn sich die Sopranistin in lichte Höhen hinaufschwingt.

Enorm wandelbar und doch authentisch

Die tief empfundene Liebe, die Tiefe des Meeres, das Abgründige des Todes - das zieht sich wie ein roter Faden durch diese handverlesene Sammlung von Liedern. In einem musikalischen Netz verknüpft die Sängerin Musik so unterschiedlicher Komponisten wie Gabriel Fauré und Erik Satie, Joaquin Rodrigo und Samuel Barber, und spinnt den Faden fort bis in unsere Zeit. Sie zeigt sich enorm wandelbar in Stimme und Ausdruck, und bleibt doch durch und durch authentisch. Petibon modelliert jeden Ton, jede Phrasierung ist bewusst gesetzt. Und auch den populäreren Stücken nähert sie sich mit großer Ernsthaftigkeit. Wie "Oh My Love" von John Lennon oder "Lok Gweltaz" von Yann Tieresen. Das ist spielerisch und leicht - aber gleichzeitig nostalgisch und nachdenklich.

Diese CD hat viel Raum und Atem, und man spürt, wie eng Petibon und ihre Klavierpartnerin Manoff miteinander verbunden sind. Sie schwingen sich ganz aufeinander ein, so unterschiedlich die Lieder auch sein mögen. Ein belebendes Element ist dabei der vereinzelte Einsatz von irischem Dudelsack, Perkussion und Akkordeon.

Überwiegend stillere Töne

Eine geradezu sirenenhafte Klarheit hat Petibon in ihrer Stimme in "Alfonsina y el mar" von Ariel Ramirez, das den Weg einer leidenden Seele in die Stille des Meeres beschreibt. Es gibt zwar auch das tosende, wilde Meer, die leidenschaftliche Liebe auf dieser CD - aber die stilleren Töne überwiegen. Das Album war Petibon ein Herzensanliegen. Verbunden wohl auch mit dem plötzlichen Tod ihres Mannes, des Jazzgeigers Didier Lockwood, im Jahr 2018. In ihrer Widmung im Booklet schreibt die Sopranistin: "Für die, die uns geliebt haben, uns verlassen haben, die wir lieben und lieben werden, und für die, die in den Tiefen unseres Herzens verankert sind."

"L'Amour, la Mort, la Mer" ist ein intensives, poetisches Album, das Patricia Petibon von einer sehr intimen Seite zeigt.

L'Amour, la Mort, la Mer

Label:
Sony Classical

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 08.03.2020 | 15:20 Uhr

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