Stand: 13.09.2018 07:49 Uhr

Ólafur Arnalds neue Software macht den Ton

re:member
von Ólafur Arnalds
Vorgestellt von Juliane Reil

Die Neoklassik-Welle ebbt nicht ab. Olafur Arnalds ist einer der erfolgreichsten Musiker dieses Genres. Zwischen Elektronik und Klassik komponiert der Isländer Klaviermusik, die millionenfach bei Streaming-Diensten wie Spotify gehört wird. Das Prinzip: Klänge für den Hintergrund, die schön sind und nicht stören, sondern vor allem entspannen sollen. Manchmal ist das aber auch sehr vorhersehbar. Auf seinem neuen Album "re:member" will Arnalds wieder etwas mehr "Chaos" in seine Musik lassen, wie er sagt. Dabei hat er eine besondere Software zu Hilfe genommen und sich von einem isländischen Hip-Hop-Künstler Unterstützung geholt.

Zwei Klaviere, deren Tasten wie von Geisterhand gespielt werden, im Hintergrund des Studios sitzt Olafur Arnalds an einem großen Mischpult. So sieht man den isländischen Komponisten im Video zu seinem neuen Album. Darauf ein sphärisch dichter Sound, der mit dem Eindruck des Intimen spielt. Die Mechanik des Pianos, der Filz des Dämpfers - alles ist zu hören.

Neue Software macht den Ton

Für seine neue Platte hat der Isländer zusammen mit einem Freund eine eigene Software namens "Stratus" entwickelt. Mit Hilfe dieses Programms kann er über ein Klavier, das er spielt, zwei weitere Klaviere ansteuern - jene, die dann wie von Geisterhand spielen. Die Software ist so programmiert, dass beispielsweise ein Ton des Pianisten bei den zwei anderen Klavieren überraschende Rhythmen und Harmonien hervorbringt - auf die der Pianist wiederum reagiert. Manchmal klingt das wie ein Echo.

Die Software mit den beiden Klavieren wirkt quasi wie ein weiterer Musiker, mit dem Olafur Arnalds ähnlich wie in einer Jazzimprovisation interagiert. Der Isländer fordert sich sozusagen in seiner eigenen Kreativität heraus. Daneben wird er vom London Recording Orchestra unterstützt und dem isländischen Rapper BNGRBOY, der die teilweise orchestralen Arrangements mit zeitlosen Beats sensibel ergänzt.

Spannungsarm trotz vieler Komponenten

Auf diese Weise wird die melancholische Grundstimmung des Albums immer wieder unterbrochen. In der Musik zeichnet sich Hoffnung und Elan ab. Im Zentrum steht - wie eigentlich immer - das Klavier, das große Ruhe ausstrahlt. Es ist das verbindende Element der zwölf Stücke, die wie ein kontemplativer Songzyklus wirken.

Der isländische Musiker Ólafur Arnalds © Erased Tapes Records Foto: Erased Tapes Records

Neue CD: Ólafur Arnalds - "re:member"

NDR Kultur - Neue CDs -

Auf seinem neuen Album "re:member" will Arnalds wieder etwas mehr "Chaos" in seine Musik lassen, wie er sagt. Dabei hat er eine besondere Software und Hip-Hop-Beats zu Hilfe genommen.

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Olafur Arnalds hat in den letzten Jahren unterschiedliche Projekte unterhalten: von Clubmusik über elegische Soundtracks bis hin zu Folklore und minimalistischen Pianoklängen. All diese Komponenten vereint der Isländer auf "re:member". Er kommt quasi zu sich selbst zurück. Das soll auch der Albumtitel vermitteln - ein Wortspiel aus "sich erinnern" und wieder ein Mitglied - ein "Member" - von sich selbst werden, wie Arnalds erklärt. Im Einklang mit sich selbst sein - das spiegelt auch die Musik wider. Sie strahlt Harmonie aus, ist aber auch dementsprechend spannungsarm.

Zusammenspiel von Mensch und Maschine

Arnalds ist am Schönklang interessiert und das ist legitim. Seine Stücke leben - wie er selbst sagt - von einer gewissen Einfachheit. Minimalistisch mit viel Fläche und Atmosphäre - Töne werden lange gehalten und ausgereizt.

"re:member“ ist eine konsequente Weiterführung der Musik von Olafur Arnalds. Das, was ihn als Musiker ausmacht - Club, Konzerthaus, dahinplätschernde Sounds auf Spotify - fließen auf der neuen Platte zusammen. Die Software von "Stratus" ist dabei als Konzept - dem Zusammenspiel von Mensch und Maschine - interessant. Klanglich ist das Ergebnis schön - aber viel weniger spektakulär als das Konzept.

re:member

Label:
UMI/ Decca
Veröffentlichungsdatum:
24.08.2018

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 13.09.2018 | 09:20 Uhr