Stand: 09.03.2018 18:23 Uhr

CD der Woche: Beethoven lebt!

Beethoven: Klavierkonzerte 2 und 4
von Lars Vogt
Vorgestellt von Marcus Stäbler

Seit 2015 leitet Lars Vogt die Royal Northern Sinfonia, das einzige Vollzeit-Kammerorchester in Großbritannien. Mit seinem Ensemble hat der deutsche Pianist die Klavierkonzerte von Beethoven aufgeführt und im Konzert mitgeschnitten. Jetzt ist die zweite Folge erschienen; mit den Klavierkonzerten zwei und vier.

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Der Pianist Lars Vogt ist seit Beginn der Saison 2015/16 neuer künstlerischer Leiter der Royal Northern Sinfonia im englischen Newcastle.

Ein helles, luftiges Klangbild. Die Geigen spielen mit wenig Vibrato, Streicher- und Bläserpassagen gehen geschmeidig ineinander über. Jeder Takt pulsiert ganz schlank und durchsichtig. Diese kammermusikalische Transparenz ist das Fundament der neuen Konzertaufnahme, von Lars Vogt am Flügel geleitet. Er nimmt den leichten Ton des Orchesters auf.

Ein sensibles Miteinander

Der Pianist gestaltet den Solopart in Beethovens zweitem Klavierkonzert mit vielen Facetten in der Dynamik und im Tempo. Etwa wenn er eine kurze Phrase am Ende ein kleines bisschen zurück nimmt und einen Tick verzögert, um anschließend gleich wieder voranzugehen.

Solche Nuancen sind nur mit hochkonzentrierten Partnern möglich. Eine Bewegung mit der Augenbraue reicht schon völlig aus, damit ihn sein Orchester versteht, schwärmt Vogt über die Royal Northern Sinfonia. Dieses sensible Miteinander ist in der Aufnahme deutlich zu spüren, das motivische Wechselspiel zwischen Solo und Tutti wird zum gleichberechtigten Dialog.

Mal sanft, mal kernig

Das Programm vereint das über weite Strecken noch sehr leichtfüßige zweite Klavierkonzert von Beethoven mit dem vierten, in dem er ganz andere Töne anschlägt - und mit ihm auch die Interpreten.

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CD der Woche: Lars Vogt spielt Beethoven

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Ganz zart und auf leisen Sohlen schleicht sich der Beginn ins Ohr. Keine Spur von der vordergründigen Brillanz, mit der andere Komponisten dieser Zeit ihre Hörer beeindrucken. Und im zweiten Satz dann ein schroffer Kontrast zwischen einer massigen Unisono-Figur der Streicher und der intimen Antwort des Klaviers - wie eine Art Choral, von Vogt mit gedecktem und innigem Klang gesungen.

Kein Wunder, dass gerade dieser Satz so viele Musiker nach Beethoven beeindruckt hat. Er öffnet die Tür zur Romantik. Doch Vogt und die Royal Northern Sinfonia beherrschen nicht bloß die sanfte Träumerei. Im Finale klingen sie kernig und kraftvoll, wenn der Titan Beethoven kurz mal seine Muskeln spielen lässt.

Beethoven lebt, auch knapp 200 Jahre nach seinem Tod - wenn ihm die Interpreten von heute so wach, sensibel und temperamentvoll begegnen wie Lars Vogt und die Royal Northern Sinfonia.

Beethoven: Klavierkonzerte 2 und 4

Label:
Ondine

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 12.03.2018 | 15:20 Uhr