Stand: 17.01.2019 15:16 Uhr

Gautier Capuçon bringt sein Cello zum Singen

Schumann
von Gautier Capuçon
Vorgestellt von Marcus Stäbler

Mit Mitte 30 hat sich Gautier Capuçon längst in der Weltspitze der Klassik etabliert. Der französische Cellist gehört zu den herausragenden Musikern seiner Generation. Seine aktuelle Aufnahme widmet Capuçon dem Schaffen von Robert Schumann, das Album vereint Kammermusikwerke mit dem Cellokonzert.

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Der französische Cellist Gautier Capuçon hat ein starkes Schumann-Album vorgelegt.

Ein Cello ist dafür gemacht zu singen, hat Gautier Capuçon in einem Interview gesagt. Wie berückend er selbst diese Kunst des instrumentalen Gesangs beherrscht, demonstriert der französische Musiker auch mit seiner neuen Aufnahme. Er beseelt die Melodien in Schumanns Cellokonzert mit einem warmen Timbre, das bis in die hohen Lagen geschmeidig und kantabel bleibt.

Geschmackvoll dosiert der Cellist seine Farbwechsel und das Vibrato. Auch im langsamen Satz des Konzerts, in dem Schumann einen intimen Ton anschlägt, als würde er dem Hörer eine Liebeserklärung machen.

Sensible Begleiter

Das Chamber Orchestra of Europe begleitet Capuçon unter Leitung von Bernard Haitink sensibel und atmet organisch mit dem Solisten, wirkt allerdings in den schnellen Sätzen stellenweise eine Spur zu gemütlich. Die glühende Nervosität, die Schumanns Musik oft vorantreibt, verliert da mitunter ihre drängende Energie.

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Doch in den kammermusikalischen Werken wandelt sich das Bild. Mit Martha Argerich hat Capuçon eine Partnerin an der Seite, die selbst viel Leidenschaft investiert und eigene Akzente und Impulse setzt. Im Zusammenspiel mit der legendären Pianistin kostet er nicht nur die lyrischen Passagen aus, sondern lässt auch Schumanns romantische Hitze noch deutlicher aufflammen.

Mit Temperament und kernigem Klang beleben die Interpreten etwa Schumanns Adagio und Allegro für Cello und Klavier, aber auch die Fantasiestücke op. 73 - besonders mitreißend im dritten Stück mit der Vortragsbezeichung "Rasch und mit Feuer".

Ideale Balance

Für das letzte Werk des knapp 80-minütigen Programms bittet Gautier Capuçon noch seinen Bruder dazu, den Geiger Renaud Capuçon. Gemeinsam mit Martha Argerich finden die beiden auch in der Trio-Besetzung eine ideale Balance aus sinnlichem Klang, Präzision und Ausdruckskraft. Der packende Schlusspunkt eines starken Schumann-Albums.

Schumann

Label:
Erato

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 21.01.2019 | 06:40 Uhr