Stand: 08.02.2019 15:38 Uhr

CD der Woche: Musikalische Visionäre

Offenbach/Gulda: Cellokonzerte
von Edgar Moreau
Vorgestellt von Philipp Cavert
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Für sein neues Album hat sich Edgar Moreau mit dem jungen Ensemble Les Forces Majeures zusammengetan.

2019 jährt sich der 200. Geburtstag des deutsch-französischen Operettenkomponisten und Cellisten Jacques Offenbach. Dieses Jubiläum spiegelt sich auch in CD Veröffentlichungen. Auf seinem neuen Album präsentiert der Cellist Edgar Moreau Offenbach als Revolutionär seiner Zeit. Und da ist es nur konsequent, ihm mit Friedrich Gulda einen schrägen Vogel der jüngeren Vergangenheit an die Seite zu stellen.

Das musikalische Chamäleon

Klassik trifft Funk-Rock: Das Konzert für Cello und Blasorchester hat der österreichische Pianist und musikalische Freigeist Friedrich Gulda geschrieben. Dieser geniale Mensch war immer bereit, künstlich geschaffene Grenzen zwischen E- und U-Musik fröhlich niederzutrampeln. Gulda war eine Art Juckpulver für bürgerlich-konservatives Publikum, das er gern mal als "stinkreaktionäre Kunstlemuren" beschimpfte und die Wiener Musikkritik als "niederen Klerus" - besonders nachdem ein Rezensent dieses Cellokonzert als musikalischen Furz bezeichnet hatte.

CD-Tipp

Der neue Shootingstar des Cellos

Technische Überlegenheit und Virtuosität hatte der Cellist Edgar Moreau schon auf seinem Debütalbum "Play" unter Beweis gestellt. Jetzt zeigt er, dass er auch ein guter Teamplayer ist. mehr

Wichtig war Gulda besonders "dass man die Werte der Vergangenheit einer Überprüfung unterzieht, sie infragestellt, in Zweifel setzt und nach eigenen Antworten auf die Fragen, die uns die musikalische Geschichte aufgibt, sucht."

Friedrich Gulda - das musikalische Chamäleon. Im zweiten Satz finden wir uns in einem idyllischen Ländler wieder. 1980 hat Gulda das Konzert für den Cellisten Heinrich Schiff komponiert; mit gemischten Bläsern zwischen Bigband und klassischem Blasorchester. Das Finale ist ein Fest alpenländischer Blaskapellen-Marschmusik.

Eine Kombination, die funktioniert

Für diese Neuaufnahme hat sich der 24-jährige Edgar Moreau auf der Ferme de Villefavard, einem abgelegenen Bauernhof im südwestfranzösischen Limousin, mit dem jungen Ensemble Les Forces Majeures zusammengetan, zu Deutsch: höhere Gewalten. Die Leitung hat der Mitgründer und Cellistenkollege Raphaël Merlin aus dem Quatuor Ébène übernommen. Im Beiheft schreibt Merlin voller Bewunderung für den Solisten: "Obwohl wir bei denselben Meistern studiert haben, scheint Edgar nicht den gleichen Naturgesetzen zu unterliegen."

Eine ähnliche Rolle wie Friedrich Gulda dürfte im 19. Jahrhundert auch Jacques Offenbach gespielt haben. Bewundert für seine Kunst, aber auch belächelt, weil er es wagte, neue Wege zu beschreiten. Offenbach, selbst Cellist, hat neben seinen Operetten ein "Großes concerto militaire" für Cello und Orchester hinterlassen. Diese Musik offenbart das ganze Spektrum des Opernkomponisten.

Gulda und Offenbach - diese Kombination funktioniert, weil beide ungestüme, verrückte Typen waren, Visionäre ihrer Zeit. Beide verehrten sie Mozart und Schubert. Offenbach wurde sogar Mozart der Champs-Élysées genannt und Gulda, der im Jahr 2000 ausgerechnet am 27. Januar, Mozarts Geburtstag starb, bezeichnete Wolfgang Amadeus als den "größten Wohltäter der Menschheit, neben Gott, vielleicht".

Offenbach/Gulda: Cellokonzerte

Label:
Erato

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 11.02.2019 | 06:40 Uhr