Stand: 25.10.2018 18:20 Uhr

Daniel Müller-Schotts Reise nach Russland

Trip to Russia
von Daniel Müller-Schott
Vorgestellt von Franziska v. Busse
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Daniel Müller-Schott zählt zu den besten Cellisten der Welt.

Mit 15 hat der Cellist Daniel Müller-Schott den Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau gewonnen. Seit damals hat es die russische Musik ihm angetan, allen voran die von Peter Tschaikowsky. "Trip to Russia" heißt sein neues Album mit Werken von Tschaikowsky, Glasunow und Rimski-Korsakow; das hat er zusammen mit dem Deutschen Symphonieorchester und dem jungen usbekischen Dirigenten Aziz Shokhakimov aufgenommen.

Kein Aufbruch ins Unbekannte

"Die wahre Entdeckungsreise besteht nicht darin, dass man neue Landschaften sucht, sondern darin, dass man die Welt mit neuen Augen sieht." Marcel Proust hat das gesagt - und der Cellist Daniel Müller-Schott würde ihm darin mit Sicherheit zustimmen. Seine "Reise nach Russland" ist kein Aufbruch ins Unbekannte. Im Gegenteil: Mit Tschaikowskys Rokoko-Variationen, dem "Pezzo Capricioso" oder auch mit dem berühmten "Andante cantabilé" aus dem Streichquartett op. 11 in der Fassung für Cello und Orchester bietet das Album ein paar echte "Repertoire-Lieblinge". "Sampler-Gold", könnte man auch sagen.

Und tatsächlich lässt sich das Programm auch ohne weiteres so hören: Als melodiös-melancholischer Soundtrack zum Fallen der Blätter vor dem Fenster. Herrlich gespielt vom erstklassigen Solisten, in warmen Farben untermalt vom Deutschen Symphonieorchester Berlin. Der junge Usbeke Aziz Shokhakimov am Pult dirigiert seit drei Jahren an der Düsseldorfer Oper - dort wird er in dieser Saison auch mehrmals Werke von Peter Tschaikowsky aufführen.

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Mehr als eine hübsche Überschrift

Aber wenn Daniel Müller-Schott uns eine "Reise nach Russland" verspricht, dann ist das für ihn mehr als eine hübsche Überschrift. Er zeigt uns die Welt, die er gefunden hat, und nimmt uns mit zum Beispiel an den "lieu chèr", den "liebgewonnen Ort", an dem Peter Tschaikowsky endlich einmal ganz er selbst sein kann.

Alexander Glasunow hat Peter Tschaikowskys Violinstück "Souvenir d'un lieu chèr" für Cello und Orchester bearbeitet. Die beiden waren Freunde und haben sich viel gegenseitig inspiriert. Müller-Schott gelingt es, nicht nur ihre Gemeinsamkeiten darzustellen, sondern auch, was sie trennt. Tschaikowsky: ein Charakter, der fast überall um die eigene verlorene Mitte kreist. Glasnuow, der den Blick durchaus in die Welt richtet.

Noch vom großen alten Mstislaw Rostropowitsch hat Müller-Schott viel über russische Romantik gelernt. Im Zusammenspiel mit dem DSO und Aziz Shokhakimov zeigt sich aber, dass vor allem der eigene Verstand, die eigene Fantasie den Ton machen, den inneren Zusammenhang herstellen, Bilder entstehen lassen. Um uns als Zuhörer auf die Reise zu schicken, müssen die Musiker und Musikerinnen selbst auf die Reise gehen und neue Entdeckungen machen. Das gelingt hier.

Trip to Russia

Label:
Orfeo

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 29.10.2018 | 15:20 Uhr