Stand: 09.11.2018 15:38 Uhr

Beethoven perfekt in Szene gesetzt

Beethoven: Symphonie Nr.5 / Klavierkonzert Nr. 1
von Cédric Tiberghien und dem Orchestre national d’Île de France
Vorgestellt von Chantal Nastasi
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Eine Beethoven-Interpretation, die man selten so gehört hat.

Der junge französische Pianist Cédric Tiberghien hat sich in den vergangenen 15 Jahren einen exzellenten Ruf als Solist und Kammermusiker erarbeitet. Mozarts Violinsonaten, die er mit der Geigerin Alina Ibragimova aufgenommen hat, wurden 2017 mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. Beethoven spielte schon in seinen jungen Jahren als Künstler des BBC Young Artists Programms eine große Rolle. Und auch in seiner Zusammenarbeit mit dem Orchestre national d’Île de France. In den vergangenen fünf Jahren haben sie alle Beethoven-Konzerte gemeinsam aufgeführt. Davon zeugt auch ihre neue CD.

Die Zügel fest im Griff, so rollt die Kutsche heran. Würdevoll, nicht zu schnell, klanglich dicht und prägnant. Deutlich hört man dem Orchestre national d’Île de France an, wohin seine Reise geht. Mit auffällig wenig Vibrato, energischer Artikulation und schlankem, fast kammermusikalischem Ton bereitet das Orchester in der dreiminütigen Einleitung dem Solisten Cédric Tiberghien einen roten Teppich.

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Lebendige, farbenreiche Interpretation

Es ist ein sehr klassischer Beethoven, aus dem die schlichte, perlende Eleganz eines Mozarts ebenso spricht wie der Humor Haydns. Tiberghien und das Orchester haben sich in den vergangenen fünf Jahren intensiv den Beethoven-Konzerten gewidmet und sie gemeinsam aufgeführt. Da stimmt die Feinabstimmung in Farbe und Ausdruck bis ins Detail. Lebendig und farbenreich ist ihre gemeinsame Interpretation, mit vielen dynamischen Abstufungen und durchgehend transparent im Klang.

Ihre genaue Lesart lässt natürlich keinen Akzent aus. Tiberghien und das Orchester unter der Leitung seines Chefdirigenten Enrique Mazzola gehen bis an die Grenzen, auch in Tempo und Dynamik. Das führt im Finalsatz vereinzelt zu kleinen Wacklern und uneleganten Tempodrosselungen im ansonsten sehr leichtfüßigen Allegro scherzando.

Reduziertes Orchester sorgt für Wohlklang

Fest steht: Selten hört man das 1. Klavierkonzert von Beethoven so ausbalanciert und schlicht. Mazzola hat die Größe seines Orchesters für diese Beethoven-Aufnahme reduziert, um diese Musik von allem Wuchtigen und unnötig Romantisierenden zu befreien. Das steht auch der berühmten 5. Sinfonie von Beethoven gut.

Es klingt, als säße man mittendrin. Es ist nicht nur der Verve der Streicher, die durch den nasalen Ton original klingenden und überaus präzise spielenden Bläser, was man an dieser Aufnahme bewundern kann. All das ist durch eine sehr dichte Mikrofonierung perfekt in Szene gesetzt. Eine Beethoven-Interpretation, die man selten so gehört hat und der man gebannt zuhört.

Beethoven: Symphonie Nr.5 / Klavierkonzert Nr. 1

Label:
Harmonia Mundi

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 12.11.2018 | 15:20 Uhr