Stand: 28.02.2020 14:57 Uhr

CD de Woche: Mozarts letzte Sinfonien

von Marcus Stäbler

Der Dirigent und Geiger Riccardo Minasi belebt die Werke aus Barock und Klassik mit einer Mischung aus Feuer und Sorgfalt. Deshalb gehört er zu den spannendsten Musikern der Gegenwart. Das demonstriert er auch in der Zusammenarbeit mit dem Ensemble Resonanz. Mit dem Hamburger Kammerorchester hat Riccardo Minasi die letzten drei Sinfonien von Mozart aufgenommen und die bekannten Werke in ein ganz neues Licht gerückt.

Knackiger Einstieg

Riccardo Minasi © imago / Rudolf Gigler
Riccardo Minasi zählt zu den spannendsten Musikern der Gegenwart.

In den 80er-Jahren klang der Beginn von Mozarts später Es-Dur-Sinfonie bei Leonard Bernstein und den Wiener Philharmonikern weich, etwas wattig und gemütlich. Doch damit ist jetzt Schluss. Riccardo Minasi und das Ensemble Resonanz fegen den Hörer gleich mit den ersten Takten aus dem Stuhl.

Ein knackiger Einstieg. Hier artikuliert sich eine Energie, die die ganze Aufnahme prägt. Mozarts letzte drei Sinfonien - oft gespielt und deshalb scheinbar vertraut - klingen plötzlich wie frisch komponiert.

Mitreißende Intensität

Das Ensemble Resonanz vereint unter Leitung von Riccardo Minasi Präzision und hohen Pulsschlag. Keine Spur von Routine, vom verklärten Mozart-Bild vergangener Zeiten. Der Beginn der berühmten g-Moll-Sinfonie, seiner 40., scheint von einer inneren Unruhe vorangetrieben.

Weitere Informationen
Das Ensemble Resonanz bei seinem Konzert in der Hamburger Elbphilharmonie  Foto: Jann Wilken

Ensemble Resonanz: Frisch verliebt in Mozart

Das Publikum in der Elbphilharmonie hat das Ensemble Resonanz für seinen Mozart-Abend gefeiert. Das Hamburger Kammerorchester präsentierte die drei letzten Mozart-Sinfonien. mehr

Wenn die Hörner dazu kommen, versetzen sie das Orchester kurz in Aufruhr, mit dem etwas raueren Klang von Historischen Blasinstrumenten. Auch das Finale wirkt wie aufgedreht und ist beeindruckend virtuos musiziert.

Diese Starkstrom-Intensität ist mitreißend, aber nur eine Facette der vielschichtigen Mozart-Interpretation. Minasi und das Ensemble Resonanz schärfen alle Charaktere der Werke mit ihrem transparenten Klang, auch in den leisen und lyrischen Momenten. Im Andante aus der g-Moll-Sinfonie nehmen sie sich Zeit, um den berückenden Dialog der Holzbläser auszukosten, während die Streicher ihre Saiten streicheln. Eine zutiefst anrührende Passage, direkt ins Herz getroffen. Aber die Idylle wird bedroht.

Viele neue Ideen

So eindringlich und plastisch wie hier ist der Ausdrucksreichtum von Mozarts späten Sinfonien sonst kaum zu hören. Er umfasst den Schmerz und die Dunkelheit ebenso wie sonnige Phasen und den Humor. Das Menuett aus der Jupiter-Sinfonie klingt stellenweise wie von leicht angetrunkenen Straßenmusikern gestampft.

Riccardo Minasi und das Ensemble Resonanz überraschen den Hörer mit vielen neuen Ideen - aber ohne, dass es jemals aufgesetzt wird. Alles kommt aus den Werken selbst, auch das stellenweise umwerfende Temperament. Im Finale der Es-Dur-Sinfonie fetzt das Orchester mit dem rhythmischen Biss und der Körperlichkeit einer Rockband los, ohne die Klarheit aufzugeben. Einer von vielen Höhepunkten der Einspielung, die zu den aufregendsten Mozart-Aufnahmen dieses Jahrtausends gehört.

Wolfgang Amadeus Mozart: Die letzten drei Sinfonien Nr. 39-41

Label:
Harmonia Mundi

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NDR Kultur | Neue CDs | 01.03.2020 | 15:20 Uhr

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