Stand: 21.11.2018 08:01 Uhr

Neues Zaz-Album: Fast ein bisschen zu bunt

Effet Miroir
von Zaz 
Vorgestellt von Petra Rieß

Die Musikerin Isabelle Geffroy alias Zaz hat es geschafft, dass sich die Veranstalter auch außerhalb Europas um sie reißen. Von der Straßenmusikerin zur neuen Chansonikone Frankreichs. "Die neue Piaf!", jubeln deshalb manche und in ihrer Diskographie hat die 38-jährige Wahlpariserin ein Doppelalbum, "Paris", mit einigen Piaf-Erfolgen. Nach vier Jahren ist nun ihre neue CD erschienen: "Effet Miroir".

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Isabelle Geffroy wurde 1980 im französischen Tours an der Loire geboren.

Am Anfang steht - unerwartet - eine zarte leise Ballade. Der Brief an ein noch ungeborenes Kind mit den besten Wünschen für ein pralles volles Leben. Für "Effet Miroir" hat Zaz insgesamt 15 Songs aufgenommen; in Paris, Brüssel und Montreal. Für einen besseren Verkaufsstart des Albums sorgt schon seit einigen Wochen die Singleauskopplung "Qué vendrá", was so viel wie "das Leben kommen lassen" bedeutet. Der Weg entsteht im Gehen.

Viele Gastkomponisten auf dem Album

Der rotzig spanische Ton lässt an Musik aus den 90-ern denken, von Manu Chao etwa, geschrieben hat "Qué vendrá" aber David Esposito. Es ist ein Zaz-Reisemitbringsel. Lediglich drei der insgesamt 15 Titel auf "Effet Miroir" hat Isabelle Geffroy alias Zaz selbst komponiert, darunter eine trockene Rocknummer, die nach alter Garage klingt, mit tiefer gelegten Gitarren. Wie gemacht für die Stimmbänder von Zaz, die ebenfalls den Straßenstaub kennen.

Viele Genres und unangenehme Fragen

Die Musik macht es uns leichter als der Text, der - auch hier - vom Reiben an der Welt erzählt. Es ist ein abwechslungsreicher Mix, den Zaz mit "Effet Miroir" präsentiert. Fast ein bisschen zu bunt. Als wolle sie zeigen, wie viele Stile und Genres sie beherrscht. Moderner Pop, leises Chanson, lauter Rock, Jazz, Salsa, Reggae. Vielleicht ist das ja der Spiegeleffekt? Der Effet Miroir des Albums? Zaz als Multicolorkaleidoskop?

Eingehüllt in kuschelige Akkorde stellt Zaz gern unangenehme Fragen. Erzählt von Einsamkeit, Verlassen werden, nicht weiter wissen. Sie ist eine fabelhafte Interpretin und kann berühren. Ebenso unerwartet wie zu Beginn taucht am Ende des Albums noch ein Titel auf, der musikalisch schlicht aber lyrisch dicht die Schönheit Lapplands beschwört - "La Laponie" - ein hochpoetischer Sprechgesang, der zur Metapher des Lebens wird.

Die Weite und Klarheit der Natur. Atmen können. Pure Schönheit. Jeder sollte so ein Lappland in sich tragen, einen Ort der Stille. Nein, man wird an diesem Album nicht alle Nummern mögen. Es sind starke Kontraste, mit denen die Französin spielt. Ihr Leben jedenfalls, soviel ist klar, ist kein langer ruhiger Fluss. Doch es ist Glück.

 

Effet Miroir

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 21.11.2018 | 09:20 Uhr

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