Stand: 04.03.2020 16:29 Uhr

Buchmesse: "Die Sichtbarkeit geht uns verloren"

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus in Europa ist am Dienstag die Leipziger Buchmesse abgesagt worden. Aber Not macht erfinderisch: Inzwischen haben Bücherfans im Internet eine Solidaritätsaktion für kleinere Verlage ins Leben gerufen. Unter dem Hashtag #Bücherhamstern werden Lesetipps für Angebote vor allem aus unabhängigen Verlagen ausgetauscht.

Katharina Florian vom Verlegerkollektiv der Edition Nautilus, was bedeutet die Absage der Leipziger Buchmesse für Ihren Verlag?

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Katharina Florian (Edition Nautilus)

Katharina Florian: Abgesehen davon, dass die Absage der Messe eine absolut vernünftige Entscheidung ist, ist es für uns sehr schade, dort nicht unser aktuelles Programm vorstellen zu können. Die Leipziger Buchmesse ist - anders als die Messe in Frankfurt - vor allem ein großes Lesefest für ein sehr interessiertes, aufgeschlossenes Publikum, das in dieser tollen Messe viele Verlage entdecken kann, die nicht unbedingt in der lokalen Buchhandlung zu finden sind. Das trifft auch auf einen Verlag wie die Edition Nautilus zu. Wir knüpfen da sehr viele neue Kontakte zu Leserinnen und Lesern. Das ist in erster Linie eine Frage der Sichtbarkeit, die uns da jetzt verloren geht.

Für sehr große Verlage ist es vielleicht weniger relevant, wenn bekannte Autoren auf einer Buchmesse-Lesung 50 Bücher weniger verkaufen, aber Kleinverlage machen doch einen erheblichen Umsatz auf der Leipziger Buchmesse. Wo steht da die Edition Nautilus?

Florian: Wir haben da viele Veranstaltungen. In diesem Jahr wären das für unsere neuen Autoren dieses Programms ungefähr zehn Veranstaltungen gewesen, die jetzt alle ausfallen müssen. Da ist die ein oder andere Veranstaltung dabei, die das Leipziger Publikum so nicht mehr erreichen wird.

Ein Kopfhörer liegt auf einem Mischpult. © NDR Foto: Gitte Alpen

"Die Sichtbarkeit geht uns verloren"

NDR Kultur - Klassisch in den Tag -

Die Absage der Leipziger Buchmesse trifft vor allem auch kleinere Verlage. NDR Kultur hat mit Katharina Florian von der Edition Nautilus über die Konsequenzen gesprochen.

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Lässt sich denn eine solche Messe-Absage kompensieren, indem man nun zusätzliche Lesungen plant? Und wie groß ist der Schaden für Ihr Haus?

Florian: Es ist ein großes Forum, wo man viele Pressetermine hat. Wir werden jetzt schauen müssen, ob wir das auffangen können. Es geht auch um unsere Kontakte mit Literaturhäusern, mit denen man perspektivisch Veranstaltungen plant - das müssen wir jetzt alles irgendwie umschichten. Da geht in erster Linie viel Arbeitszeit aus den letzten Monaten verloren. Aber wir sind uns trotzdem sicher, dass wir das mit unserem sehr guten Netzwerk auffangen können.

Jetzt müssen wir alles dransetzen, um unseren Autorinnen und Autoren des Frühjahrsprogramms diese Sichtbarkeit auf anderem Wege zu verschaffen. Aber gerade die kleineren und unabhängigen Verlage sind bekannt für ihre Solidarität untereinander und für ihre Beweglichkeit. Und so gibt es schon Rundmails von Kollegen, die sagen: "Wollen wir uns treffen und schauen, was wir zusammen organisieren können?" Das sind erstmal gute Tendenzen für uns.

Was natürlich überhaupt nicht zu ersetzen ist, ist der persönliche Austausch mit Leserinnen und Lesern. Für uns, die wir in erster Linie im Büro arbeiten und nicht in den Buchhandlungen sind, ist der direkte Austausch auch ganz toll. Zu sehen, wie sich die Leute für unser Programm interessieren, welches Buch sie in die Hand nehmen, welches Cover sie schön finden und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Das geht uns jetzt alles verloren.

Das Gespräch führte Philipp Cavert.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 04.03.2020 | 14:20 Uhr