Stand: 17.01.2019 12:01 Uhr

Charlotte Sprenger: Regiepremiere in Hamburg

von Katja Weise
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Charlotte Sprenger brachte am Schauspiel Köln "Alles, was ich nicht erinnere" - ursprünglich ein Roman vom schwedischen Autor Jonas Hassen Khemiri.

Klare Ansagen machen, ist nicht immer leicht. Für Charlotte Sprenger gehört dies aber zu ihrem Job. Die Hamburger Regisseurin sorgt spätestens, seit sie im vergangenen Jahr mit einer Arbeit am Nachwuchsfestival "Radikal jung" in München eingeladen war, an mehreren Bühnen für Aufsehen. Jetzt inszeniert die 28-Jährige erstmals am Thalia Theater in Hamburg. Ein Ort, den Sprenger gut kennt. Ihre Mutter Victoria Trautmannsdorf gehört seit 25 Jahren zum Ensemble und auch ihr Vater, Wolf-Dietrich Sprenger, hat hier bereits gespielt und inszeniert.

Sanft aber bestimmt

Sanft aber bestimmt geht Sprenger vor der Premiere die Abläufe mit dem Team durch. "Man muss lernen, sich zu vertrauen, aber auch zuzugeben, wenn man etwas nicht weiß. Davor hat man Angst, aber das ist überhaupt nicht schlimm." Auf sich zu hören, ist der Regisseurin wichtig. Und sich mit den Schauspielern auf eine Reise zu begeben.

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Im Januar 2019 feiert das Theaterstück "Vor dem Fest" von Saša Stanišić am Hamburger Thalia Theater in der Gaussstraße Premiere. Regie führt: Charlotte Sprenger.

"Vor dem Fest", ein Stück des in Hamburg lebenden Autors Saša Stanišić, ist ein Spiel mit unterschiedlichen Erzählweisen und Stimmungen, die Sprenger auf die Bühne bringen will: "Dass man sich in so andere Zustände begeben kann - beim Proben erlebt man das nicht immer. Manchmal ist es auch wahnsinnig doof und anstrengend und langweilig und langsam, aber manchmal kommt man auch an einen Punkt, wo man in so einer Gruppe anfängt zu fliegen. Das erlebt man in der Realität nicht so oft."

"Wenn man jung ist und eine Frau ist, ist es besser."

Dass sie diese Arbeit einmal so lieben würde, war Charlotte Sprenger - obwohl sie in einer Theaterfamilie groß geworden ist - nicht "schon immer" klar. Ihre Eltern waren eher bestrebt, nicht zu viel Theater in den Alltag einsickern zu lassen. Sie sorgten für eine gute Betreuung der beiden Töchter zu Hause: "Meine Eltern waren da schon sehr bedacht drauf, das zu trennen. Für mich war es ein gewisses Mysterium, bevor ich selbst am Theater gearbeitet habe. Bestimmt weniger als für andere, aber ich war darin nicht so involviert."

Die Regisseurin Charlotte Sprenger.  Foto: Horst Galuschka

Charlotte Sprenger im Porträt

NDR Kultur - Klassisch in den Tag -

Theater sei in vielen Bereichen immer noch sehr hierarchich und patriarchal strukturiert, so Charlotte Sprenger. Sie will diese Strukturen aufbrechen. Jetzt führt sie erstmals Regie am Thalia in Hamburg.

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Deshalb studierte Charlotte Sprenger zunächst Angewandte Kulturwissenschaften in Lüneburg. Den Wendepunkt markiert eine Hospitanz am Deutschen Theater in Berlin bei Bastian Kraft, einem ausgesprochen zugewandten Regisseur: "Ich war mir nicht so bewusst, was dort so meine Position sein könnte, weil ich mich nie als die schreiende Diktatorin gesehen hab. Und ihn zu erleben, wie er das macht mit seiner Art, hat einfach einen Knoten in mir gelöst. Damals war mir das gar nicht so bewusst, das habe ich jetzt erst im Nachhinein verstanden."

Sprenger wurde Regieassistentin am Schauspiel Köln, leitete dort zusammen mit dem Kuratorenteam "Britney" die Außenspielstätte Offenbachplatz und diskutierte in der Gruppe regelmäßig, was für ein Theater sie machen möchte: "Das war bei uns viel Thema: Wie will man sein? Weil Theater ja doch noch in vielen Bereich sehr hierarchisch, sehr patriarchal strukturiert ist." Bei "Britney" ging es viel darum, wie man eigentlich mit Menschen umgehen möchte - und welche Bilder man von Frauen und Männern auf die Bühne bringen will. Denn natürlich habe auch die #metoo-Debatte eine Rolle gespielt, ohne dass sie selbst einschlägige Erfahrungen gemacht habe, erklärt Sprenger. Junge Künstlerinnen würden davon im Moment allerdings auch profitieren, "weil einfach überall Frauen gesucht werden. Es ist einfach momentan so: Wenn man jung ist und eine Frau ist, ist es besser."

"Vor dem Fest" ist Charlotte Sprengers erste Inszenierung in Hamburg. Ob es die einzige bleibt? Wer weiß. Denn auch das Thalia Theater arbeitet gerne mit jungen Regisseurinnen zusammen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 17.01.2019 | 06:40 Uhr