Stand: 20.09.2019 00:01 Uhr

Alexander Solloch für Deutschen Radiopreis nominiert

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Alexander Solloch ist Literaturredakteur bei NDR Kultur. Ins ohnehin schon prall gefüllte Bücherregal passt die von Programmchefin Barbara Mirow überreichte Torte aber nicht.

NDR Kultur freut sich über eine Nominierung für den Deutschen Radiopreis 2019. Alexander Solloch aus der Literaturredaktion geht ins Rennen um die Auszeichnung in der Kategorie "Bestes Interview" - für ein berührendes und bewegendes Gespräch, das er in diesem Jahr mit Philippe Lançon geführt hat. Der französische Journalist und Schriftsteller hat den Terroranschlag auf die Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo am 7. Januar 2015 überlebt - schwer verletzt; die zwei islamistisch motivierten Terroristen zerschossen ihm den Unterkiefer. Die Attentäter brachten an diesem Tag zwölf Menschen um: Zeichner, Journalisten, Polizisten.

"Der Fetzen" - ein überwältigendes Stück Literatur

"Es gab einen trockenen Knall, und die Schreie im Flur unterbrachen den Strom unserer Scherze und unserer Leben", das schreibt Philippe Lançon in seinem Buch "Le lambeau", das im vergangenen Herbst in Frankreich erschien und von vielen Kritikern als bestes Buch des Jahres bezeichnet wurde. Im Frühjahr ist es unter dem Titel "Der Fetzen" in deutscher Übersetzung auf den Markt gekommen - ein überwältigendes Stück Literatur: keines, das ans große Gefühl appelliert; vielmehr fragt Philippe Lançon nach den Möglichkeiten des Lebens und Überlebens in einer Welt, deren Zusammenhänge wir kaum begreifen können. Als wäre die Welt eine Theaterbühne, auf der wir brav unsere Rollen spielen, ohne den Sinn des Stücks zu begreifen.

Schonungsloses und zugleich unpathetisches Gespräch

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Das Gespräch

Erinnerungen eines Überlebenden

21.09.2019 18:00 Uhr
Das Gespräch

"Der Fetzen", das ist ein Teil des rechten Wadenbeins, das Philippe Lançon in mehreren komplizierten Eingriffen an die Stelle seines zerstörten Kinns transplantiert wurde. Von den äußeren Verletzungen merkt man ihm fast nichts mehr an. Alexander Solloch beschreibt den Journalisten als einen freundlich-zurückhaltenden, geradezu unscheinbaren Mann in den Fünfzigern. Er hat ihn im vergangenen Mai in Paris getroffen, in einem Café im Quartier Latin - und hat mit ihm schonungslos und zugleich unpathetisch über seine Geschichte gesprochen. Ihm kommt es auf das Wort an - das geschriebene und das gesprochene Wort. Alexander Solloch und Philippe Lançon gehen in ihrem Gespräch der Frage nach, wie wir leben und überleben können.

Alexander Solloch von NDR Kultur © NDR / Christian Spielmann Foto: Christian Spielmann

NDR Kultur - "Das Gespräch"

Deutscher Radiopreis

Die Jury hat Alexander Solloch für sein unaufdringliches Interview mit dem französischen Journalisten Philippe Lançon nominiert, der den "Charlie Hebdo"-Anschlag überlebt hat.

 

Weitere Informationen

Nominiert in der Kategorie "Bestes Interview" 2019

Im Finale stehen Bremen Zwei mit der "Gesprächszeit", NDR Kultur mit einem Interview zum "Charlie Hebdo"-Anschlag und MDR Aktuell mit einer Sendung zu angeblichen Ausschreitungen in Bautzen. mehr

 

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 20.09.2019 | 06:00 Uhr