Das Gespräch

Gast: Jens-Christian Wagner

Samstag, 11. April 2020, 18:00 bis 18:30 Uhr

Am 15. April 1945 erreichen britische Soldaten das Konzentrationslager Bergen-Belsen - und ihnen bietet sich ein Bild des Grauens: Sie finden Stapel von Leichen vor, abgemagerte und todkranke Menschen, überfüllte Baracken. Auch in den Wochen nach der Befreiung sterben noch Tausende an den Folgen der brutalen Inhaftierung. 75 Jahre ist es her, dass die Opfer befreit wurden - und Jens-Christian Wagner versucht, die Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten in Bergen-Belsen wachzuhalten; der Historiker leitet die dortige Gedenkstätte und auch die Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten. Wegen der Corona-Pandemie musste die für das kommende Wochenende geplante Gedenkfeier zum 75. Jahrestag der Befreiung, zu der auch viele Überlebende des Lagers anreisen wollten, abgesagt werden - die Veranstaltung soll aber im kommenden Jahr nachgeholt werden, wie Wagner im Gespräch mit Jan Ehlert ankündigt.

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75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gibt es nur noch wenige Zeitzeugen, die uns von den schrecklichen Taten der Nazis in Bergen-Belsen berichten können. Zugleich sind AfD-Politiker bestrebt, den Nationalsozialismus zu verharmlosen und die Arbeit der Gedenkstätten zu beeinflussen. Gerade vor diesem Hintergrund wünscht sich Wagner eine Erinnerungskultur, in der die Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen weiter grundlegend ist für unsere heutige demokratische Selbstverständigung. Mit der Gedenkstättenarbeit auch in Bergen-Belsen möchte Jens-Christian Wagner erreichen, dass wir weiter die Lehren aus den Jahren 1933 bis 1945 ziehen, indem wir die Achtung der Menschenrechte und die Achtung des Rechtsstaats ins Zentrum unseres politischen und gesellschaftlichen Handelns stellen.

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