Welt der Musik

Pionier, Geächteter, Wegweiser - Zum 125. Geburtstag von Paul Hindemith

Montag, 16. November 2020, 20:00 bis 22:00 Uhr

Als ob die Zeit stehen bleibt: Tabea Zimmermann schätzt die langsamen Sätze in Hindemiths Bratschen-Sonaten sehr. "Diese langsamen Sätze sind etwas ganz Besonderes in seiner Musik, wo man sich weit hinwegträumen kann und zur Ruhe kommt. Und dann gibt es ein oft sehr rhythmisches und witziges Element."

Tabea Zimmermann: Gesamteinspielung von Hindemiths Bratschenwerken

Paul Hindemith mit Bratsche / Foto um 1930 © picture alliance / akg
Paul Hindemith (hier um 1930) kommt am 16. November 1895 in Hanau zur Welt.

Tabea Zimmermann beschäftigt sich schon lange intensiv mit dem umfangreichen Schaffen von Paul Hindemith in seiner großen Vielfalt - ob Orchesterwerke, Opern oder Kammermusik. Zimmermanns Gesamtaufnahme aller seiner Bratschenwerke aus dem Jahr 2013 gilt als Referenzeinspielung.

Hindemiths facettenreiche Musik gehöre zwar längst noch nicht zum Standardrepertoire, so Zimmermann. "Aber ich bleibe als Interpretin und natürlich auch als Lehrerin dran, seine Musik immer wieder zu spielen, zu thematisieren und daran zu arbeiten", erzählt sie. "Und ihn aber auch in den Kontext zu stellen. Weil ich finde, es wäre auch nicht richtig, wir spielen nur noch Hindemith und machen ein Festival nur mit seiner Musik. Denn er hat sich auch als fortführende Kraft der großen Klassik gesehen."

Diffamierung durchs NS-Regime

1895 geboren, 1963 gestorben: Die bewegten, auch zutiefst krisenhaften Phasen des 20. Jahrhunderts spiegeln sich in Hindemiths Schaffen wider. Dass sein Werk heute nicht mit größerer Selbstverständlichkeit betrachtet und aufgeführt wird, das liege auch darin begründet, dass das NS-Regime in den 1930er-Jahren Hindemith diffamiert habe, meint Zimmermann. Da sei etwas an seinem Namen haften geblieben.

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"Jeder Veranstalter und jeder Künstler, der sich mit Hindemith beschäftigt, muss gewissermaßen gegen etwas anspielen - gegen das, was da diffus in der Luft steht. Und das ist schwierig - auch für Veranstalter, Hindemith zu programmieren. Wenn es denn erstmal auf dem Programm steht und gut gespielt wird, dann ist es kein Vorbehalt der Musik gegenüber, sondern ein ungerechter Vorbehalt in einer falschen Vorerwartung."

Paul Hindemiths 125. Geburtstag im Corona-Jahr

Zum 125. Geburtstag von Paul Hindemith in diesem Jahr waren viele Veranstaltungen geplant. Auch Zimmermann hatte einige Konzerte mit Werken Hindemiths im Terminkalender - manches hat geklappt, einiges wegen der Corona-Pandemie nicht, manches steht noch aus. Die Bratscherin versucht, konstruktiv mit der Ausnahmesituation umzugehen. Da sie die bereits erschienenen 50 Bände der neuen historisch-kritischen Hindemith-Gesamtausgabe zu Hause stehen hat, taucht sie jetzt gern in den Partituren ab.

In der Sendung "Pionier, Geächteter, Wegbereiter - Zum 125. Geburtstag von Paul Hindemith" gratuliert die Welt der Musik dem bedeutenden Komponisten mit einem ausführlichen Porträt. Neben Tabea Zimmermann kommt auch die Hindemith-Forscherin Susanne Schaal-Gotthardt ausführlich zu Wort.

Eine Sendung von Dagmar Penzlin

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