Unterwegs mit… Patricia Kopatchinskaja

Mit Margarete Zander

Samstag, 31. Oktober 2020, 13:00 bis 14:00 Uhr

Die Geigerin Patricia Kopatchinskaja im Porträt. © dpa Foto: Ulf Mauder
Die Geigerin Patricia Kopatchinskaja

Ihre Konzerte sind ausverkauft. Gerade ihre szenischen Konzerte, die mit tickenden Zeitbomben (Metronomen) und Hammerschlägen auf einen Sarg (die Sperrholzkiste in Galina Ustwolskajas "Dies Irae") unsere Gedanken auf das Ende der Zeit richten, zeigen Wirkung. Ihre Credo: "Ich will Musik auf der Bühne produzieren, die mir etwas sagt und mit der ich etwas sagen kann."

Kopatchinskaja über Dirigent Currentzis: "Wir befeuern einander"

Wenn Patricia Kopatchinskaja von der Zusammenarbeit mit dem Dirigenten Teodor Currentzis spricht, weiß man, was sie im Konzert sucht: "Wir bereichern einander, befeuern einander, inspirieren und unterstützen. Und wenn einer zu weit fliegt, ist der andere da, um ihn wieder aufzufangen. Wir sind wie zwei gute Akrobaten." Und so geht es nicht immer zu zwischen Dirigenten und Solisten, meint Kopatchinskaja: "Ein Dirigent ist sehr oft ein Feind. Ein Dirigent ist sehr oft ein Kritiker. Ein Mensch, der nur koordiniert, Polizei spielt und aber nichts empfindet, nicht die Vision eines Interpreten teilt."

Patricia Kopatchinskajas Ehemann Lukas Fierz war Neurologe und ist jetzt Umweltblogger und Cellist. Am Küchentisch arbeiten die beiden an Themen für die szenischen Konzerte, wie "Dies Irae" oder "Der Tod und die Geigerin". Sie geht eher intuitiv von der Musik hervor, er recherchiert Fakten und Kontexte. Er bestärkt sie seit mehr als 20 Jahren darin, ihre Wildheit und ihr intuitives Verständnis von Musik nicht abzulegen zugunsten eines auf Hochglanz getrimmten Geigentones für Upper-Class-Klassik-Konsumenten. Ihr Ton darf leben.

Begeisterung für das allzu Bekannte und das nie Gehörte

Kopatchinskaja begeistert Konzertbesucher für das allzu Bekannte ebenso wie für das nie Gehörte und deshalb lieben Komponisten es, für sie zu schreiben. Sie wirft Töne in den Raum, schnell wie Pfeile, so dass man sich duckt, langsam wie Seifenblasen, die man fangen möchte. Musik wird ein körperliches und räumliches Erlebnis, ein poetischer Moment, ein Aufrütteln, eine Erfahrung, die bleibt.

Musik machen ist für Kopatchinskaja bei jedem Stück "wie das Erlernen einer Sprach ohne didaktisches Denken". Wichtig sind ihr die psychischen Grundfunktionen, wie C. G. Jung sie definiert: "Empfinden, Intuieren, Fühlen und Denken. Alles. Es braucht alles."

Eine Sendung von Margarete Zander

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