Live aus der Staatsoper Hamburg

"Nabucco" von Giuseppe Verdi

Sonntag, 10. März 2019, 17:45 bis 22:00 Uhr

Das kommt nicht allzu oft vor, dass alle Aufführungen einer Neuproduktion an der Staatsoper Hamburg schon vor der Premiere ausverkauft sind. Jetzt aber werden vorzeitig sogar schon Karten für den Herbst verkauft. Giuseppe Verdis "Nabucco" feiert in Hamburg Premiere - der eigentliche Star des Abends darf aber nicht dabei sein. Es ist der russische Regisseur Kirill Serebrennikov, der nach wie vor in Moskau unter Hausarrest steht. NDR Kultur überträgt die Premiere jetzt live.

Nabucco - Impressionen von der Probe

"Natürlich verspreche ich mir einen politischen Abend", sagt Staatsopernintendant Georges Delnon, der den russischen Regisseur Kirill Serebrennikov schon engagierte, bevor er in Russland unter Hausarrest gestellt wurde. "Ich glaube, dass Kirill Serebrennikov zu den Intellektuellen gehört, die wirklich einen Überblick haben und wissen, was passiert, auch zwischen Ost und West."

"Ein angstfreier Künstler ohne Scheuklappen"

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Sergio Morabito betreut die Hamburger Neuinszenierung von Kirill Serebrennikov.

"Kirill Serebrennikov fährt volles Risiko", sagt Dramaturg Sergio Morabito. "Das schätzen wir so an ihm. Und er macht es mit einer traumwandlerischen Sicherheit." Morabito betreut die Hamburger Neuinszenierung des russischen Regisseurs, der selber nicht in Hamburg arbeiten darf, weil er Moskau noch immer nicht verlassen darf. Es ist Morabito ein großes Anliegen, den russischen Regisseur zu unterstützen, mit dem er bereits u.a. in Stuttgart zusammengearbeitet hat. "Er ist ein angstfreier Künstler ohne Scheuklappen - das begeistert mich an ihm", sagt Morabito.

Moderne Art des Musiktheaters

Der 49-jährige Serebrennikov, der von Russland aus in ständigem Kontakt mit dem Hamburger Produktionsteam steht, holt das biblische Drama um König Nebukadnezar (italienisch: Nabucco) und die babylonische Gefangenschaft der Hebräer in die heutige Zeit. Es geht ihm nicht mehr um den Glauben an den einen Gott, sondern an die eine Welt. So bringt er den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen auf die Bühne und packt die Zuschauer, indem er sie zu Verdis Musik mit den topaktuellen Themen der heutigen Nahost- und Weltproblematik konfrontiert. Morabito ist fasziniert von dieser modernen Art des Musiktheaters: "Serebrennikov hat eine junge Generation von Theaterschaffenden geprägt. Er ist ein wichtiger Mann, nicht nur für Russland."

Am Pult wird Paolo Carigniani stehen, der die Partitur seines Landsmannes Verdi sehr schätzt: "Verdi war die politische Situation Italiens sehr wichtig, aber er hatte auch die Fähigkeit, mit seiner Musik eine Sprache zu sprechen, die direkt die Seele der Menschen erreichte. Sie haben sich erkannt in dieser Musik."

Besetzung

Nabucco: Dimitri Platanias
Ismaele: Dovlet Nurgeldiyev
Zaccaria: Alexander Vinogradov
Abigalle: Osksana Dyka
Fenena: Géraldine Chauvet
Oberpriester des Baal: Alin Anca
Abdallo: Sungho Kim
Anna: Na'ama Shulman
Chor der Hamburgischen Staatsoper
Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Leitung: Paolo Carignani

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