Starke Stücke

Mit Hans-Jürgen Mende

Donnerstag, 21. November 2019, 13:00 bis 14:00 Uhr

Georg Friedrich Händel und Georg I. auf der Themse während einer Aufführung der "Wassermusik". (Unbez. Stahlstich nach dem Gemälde von Edouard Hamman (1819-1888), koloriert) © picture-alliance / akg-images
Georg Friedrich Händel und Georg I. auf der Themse während einer Aufführung der "Wassermusik".

In Mendelssohns "Hebriden Ouvertüre" hören wir die Brandung an die Felsen schlagen, in Schuberts "Auf dem Wasser zu singen" das Kräuseln und Wiegen des Wassers eines Sees, aber in Händels "Wassermusik" suchen wir solche musikalischen Wasserbilder vergeblich. Seine drei Suiten sollten nicht das Wasser in irgendeiner Form beschreiben, die Suiten heißen nur so, weil sie erstmals auf der Themse gespielt worden sind.

King George I. unternahm damals Bootsfahrten und wollte dabei von Musik unterhalten werden. Die Musiker fuhren also mit einer Barke nebenher und spielten. Die Bootsfahrten waren einerseits Lustfahrten - der Adel langweilte sich oft sehr und Höhepunkte des Daseins waren aufwendige Feste und Ausflüge. Andererseits hatte der König meist Staatsgäste bei sich, die es zu beeindrucken galt.

Eine Musik für die königlichen Bootsausflüge

Wann genau Händel seine "Wassermusik" geschrieben hat, das weiß man nicht. Die Handschriften sind verloren gegangen. Ein Anhaltspunkt ist ein Bericht aus dem August 1715. Da heißt es: "Man schlug dem König eine Lustfahrt zu Wasser vor. Händel bekam Wind davon und wurde Rats, eine geschickte Musik zu dem Ende anzustellen. Er selbst vollzog und führte sie auf, ohne dass es der König wusste, der sich aber darüber sowohl verwunderte als ergetzte."

Porträt von Georg Friedrich Händel (1685-1759).  Foto: akg-images
Georg Friedrich Händel (1685-1759) war ab 1710 in London tätig. Zu dieser Zeit war er noch im Dienst als Kapellmeister in Hannover und nutzte seine Abwesenheitserlaubnis übermäßig aus.

So wie heute Open air-Konzerte war eine Veranstaltung wie eine Bootsfahrt auf der Themse mit Begleitmusik schon damals ein besonderes Ereignis, von dem auch die Presse seinerzeit berichtet hat. So war im Sommer 1717 in einer Londoner Zeitung folgender Bericht vermutlich über die zweite "Wassermusik" zu lesen: "Am Mittwochabend, ungefähr um acht, begab sich der König in einem offenen Schiff auf eine Bootsfahrt und fuhr, von vielen anderen mit Standespersonen besetzten Booten begleitet, flussauf nach Chelsea. Ein Schiff der Stadtgilde trug die Musiker, die über 50 Instrumente jeglicher Art verfügten. Sie spielten die ganze Zeit die schönsten, besonders für diese Lustfahrt von Mr. Händel komponierten Symphonien, welche Seiner Majestät derart gefielen, dass sie auf dem Hin- und Herweg dreimal wiederholt werden mussten!"

Von der Themse in die Konzertsäle

Mit seinen "Wassermusiken" hat sich Georg Friedrich Händel auch wieder die Gunst von Königs Georg I. gesichert. Als dieser noch als Kurfürst Georg Ludwig von Hannover ebenda residierte, hat er 1710 Händel an seinen Hof engagiert. Händel aber ließ sich bereits ein halbes Jahr später nach London locken. Dies hat verständlicherweise den Kurfürsten sehr verärgert. Der aber ahnte wohl kaum, dass er 1714 selbst nach London umsiedeln würde. Da war er George der I. König von Großbritannien geworden.

Ehemaliges Wohnhaus des Komponisten Georg Friedrich Händel in der Londoner Lower Brook Street. © picture-alliance / akg-images Foto: Rodemann
Das ehemalige Wohnhaus von Georg Friedrich Händel in London befindet sich in der Lower Brook Street.

In London nun traf er wieder auf Händel. Die "Wassermusik"-Suiten sollen die beiden wieder versöhnt haben. Eine Aufführung im Freien - zumal auf schwankenden Booten auf dem Wasser - ist für die Musiker sicher eine große Herausforderung gewesen. Die Akustik war sicher nicht die Beste, nur ein wenig Wind und die Klänge wurden verweht. Man spekuliert, dass Händel aus diesen Gründen seine dritte "Wassermusik"-Suite nur mit Flöten und Streichern besetzt hat, weil diese Instrumente sich weniger als andere durch die Freiluftakkustik haben beeinflussen lassen. Die "Wassermusik"-Suiten waren vermutlich nur für die Bootsfahrten des Königs gedacht. Dann aber wurden sie mit solcher Begeisterung aufgenommen, dass sie schon bald in die Konzertsäle gewandert sind.

Übersicht
Dach der Elbphilharmonie in Hamburg © picture alliance/Bildagentur-online Foto: Bildagentur-online/Ohde

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