Starke Stücke

Mit Raliza Nikolov

Dienstag, 08. Oktober 2019, 13:00 bis 14:00 Uhr

Wenn Sie an Cellokonzerte aus dem 18. Jahrhundert denken, dann wahrscheinlich am ehesten an Luigi Boccherini und - Joseph Haydn. Anders als Mozart und Beethoven widmete sich Haydn dieser Gattung und hinterließ herausragende Werke, die heute zum Repertoire jedes Cellisten gehören. Die beiden Konzerte in C-Dur und in D-Dur, die sicher von Haydn stammen (ihm wurden zeitweise viel mehr zugeschrieben, weil sich der Name Haydn schlicht sehr gut verkaufte), hören Sie heute in Aufnahmen mit Lynn Harrell und der Academy of St. Martin-in-the-Fields mit Neville Marriner.

Haydns Cellokonzert Nr.1 - erst 1961 entdeckt

Das erste Konzert galt lange als verschollen. Erst 1961 wurde im Nationalmuseum in Prag eine Kopie gefunden, rund zweihundert Jahre nach der Entstehung.

Der Cellist Lynn Harrell mit seinem Instrument. © Lynn Harrell/ Chad Batka Foto: Chad Batka
Lynn Harrell hat beide Cellokonzerte von Haydn mit der Academy of St. Martin-in-the-Fields aufgenommen.

Dazu der amerikanische Cellist Lynn Harrell: "Wie bei Mozart bringt auch Haydns Musik das zum Ausdruck, was uns als Menschen ausmacht. Der erste Satz des Cellokonzerts erzählt begeistert von der Jugend. Im zweiten Satz kann man über eine Selbstreflexion staunen, wofür sich der natürliche Klang des Cellos wunderbar eignet. Und das Finale feiert schließlich die Virtuosität und einen sympathischen Humor."

Haydn, Anfang der 1760er Jahre noch Vizekapellmeister am Hof des Fürsten Esterházy, komponierte es für eine kammermusikalische Besetzung - der wahrscheinlich einzige Cellist der Kapelle, Joseph Weigl, spielte das Solo und die Tutti-Passagen. Haydn und Weigl waren sehr befreundet, Haydn wurde Patenonkel von Weigls Sohn.

Haydn oder Kraft - Wer hat das Cellokonzert Nr. 2 komponiert?

Joseph Haydn © picture-alliance / akg Foto:  akg-images
Joseph Haydn (1732 - 1809) komponierte das erste Cellokonzert in den 1760er-Jahren und 1783 das zweite. Bei sieben weiteren Cellokonzerten ist nicht gesichert, ob Haydn der Komponist ist.

Auch die Geschichte des zweiten Cellokonzerts war bis Mitte des 20. Jahrhunderts nicht geklärt: In einer Enzyklopädie aus dem 19. Jahrhundert fand sich zum Beispiel der Eintrag, das Werk sei von Anton Kraft komponiert worden. Vielleicht traute man Haydn nicht zu, so perfekt für das Cello komponieren zu können. 1951 wurde Haydns Handschrift gefunden. Das zweite Konzert entstand 1783 also für den Cellisten Anton Kraft. Er war bei Haydn in die Lehre gegangen, war in dieser Zeit Mitglied der Kapelle von Fürst Nikolaus I. Joseph Esterházy, später Gründungsmitglied des Schuppanzigh Quartetts. Und Haydn hat offenbar auch viel von ihm gelernt.

In der Reihe "Starke Stücke" auf NDR Kultur haben Sie heute Gelegenheit, das erste Konzert - noch dem Barock nahe - mit dem zweiten zu vergleichen, das wie nur wenige andere Instrumentalkonzerte Haydns aus seiner späten Phase stammt.

Übersicht
Dach der Elbphilharmonie in Hamburg © picture alliance/Bildagentur-online Foto: Bildagentur-online/Ohde

Starke Stücke

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