Stand: 21.03.2020 12:25 Uhr

Weibliche Musikgeschichte im Netz entdecken

von Dagmar Penzlin

Dank des Internets kann man auch vom Sofa aus seinen Horizont weitern, etwa in Sachen weibliche Musikgeschichte. NDR Kultur hat einige Websites entdeckt, die Leben und Werk von Komponistinnen und Musikerinnen beleuchten.

Historische Zeichnung von der Pianistin und Komponistin Clara Wieck im Alter von 17 Jahren. © picture alliance / akg Foto: akg
Auf der Plattform MuGI können sich Interessierte über Clara Schumann und viele weitere Frauen der Musikwelt informieren.

Auf der Plattform mit dem Kurznamen MuGI (eine Abkürzung für "Musik(vermittlung) und Gender(forschung) im Internet") gibt es Dokumente wie Filme und Interviews mit Frauen aus der Musikszene zu sehen und zu hören. Das MuGI ist ein Angebot der Hochschule für Musik und Theater Hamburg und bietet Lexikon-Einträge insbesondere zu Komponistinnen und Musikerinnen, ergänzt durch Multimedia-Präsentationen. Und das alles auf hohem wissenschaftlichen Niveau, sagt Beatrix Borchard, Musikwissenschaftlerin und MuGI-Erfinderin.

Carla Bley und Clara Schumann

Die Jazzmusikerin Carla Bley bei einem NDR Jazzkonzert am 14.03.1984 © Ralph Quinke Foto: Ralph Quinke

AUDIO: Carla Bley Band (1984) (10 Min)

Die weit über 100 Lexikon-Artikel umfassen ganz klassisch die Biographie, Werkverzeichnisse, den Forschungsbedarf und eine Würdigung des Schaffens, abgerundet durch weiterführende Links und Literatur-Hinweise. Das Spektrum reicht von der Renaissance-Komponistin Francesca Caccini über Multitalente wie Clara Schumann und Pauline Viardot-Garcia bis hin zu zeitgenössischen Künstlerinnen, darunter auch eine Jazz-Musikerin wie Carla Bley. Hinzu kommen Materialsammlungen und eben knapp zwei Dutzend Multimedia-Seiten über Komponistinnen, Musikerinnen und Musikschriftstellerinnen verschiedenster Epochen: vom Mittelalter bis heute.

"Wir können nicht nur über die Unterdrückung der Frauen sprechen"

Multimedial geht es auch immer wieder auf der Website des Archivs "Frau und Musik" mit Sitz in Frankfurt zu. Der aktuellste Blogeintrag widmet sich der Cholera-Kantate von Fanny Hensel.

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Zwei Geigerinnen spielen ihr Instrument. © picture alliance/imageBROKER Foto: Oliver Ring

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Wer sich für die Geschichte der Frauenmusikforschung interessiert, findet unter dem Menüpunkt Projekte - Hashtag #MASCHA - Videointerviews mit Pionierinnen aus dem Arbeitskreis Frau und Musik. So erinnert sich auch die legendäre Musikwissenschaftlerin Eva Rieger an bewegte Zeiten: "Für mich war klar, dass wir Noten von Frauen sammeln müssen. Und wir müssen die Werke auch aufführen. Wir können nicht nur über die Unterdrückung der Frau sprechen, wir müssen daran etwas ändern. Da war der Arbeitskreis 'Frau und Musik' sehr animierend."

"CID femmes" verwaltet Nachlass von Helen Buchholtz

Die luxemburgische Komponistin Helen Buchholtz lebte von 1877 bis 1953. Hinterlassen hat sie 135 Kompositionen, darunter viele Lieder, Klaviersonaten und auch einige Werke für Orchester. Das "CID femmes", das luxemburgische Informationszentrum für Frauen und Gender, verwaltet den kompletten Nachlass und auch das biografische Archiv von Helen Buchholtz. Daneben gibt es seit 2003 auch ein Musikarchiv zum Gesamtschaffen von Lou Koster, die 1889 in Luxemburg das Licht der Welt erblickte.

"Ein Kennzeichen der Musik in Luxemburg ist die Asynchronizität", sagt Archiv-Leiterin Danielle Roster, "das heißt, man kann die Komponistinnen und die Komponisten der Generation Buchholtz und Koster generell als Spätromantiker bezeichnen. Wenn man die beiden Komponistinnen vergleicht, zeigt sich, dass Lou Koster stilistisch eher vom französischen Musikraum inspiriert ist. Und Helen Buchholtz war sehr von der deutschen Musik fasziniert."

Wer Lust hat in der weiblichen Musikgeschichte Luxemburgs zu stöbern, wird auf der Website des CID-femmes fündig. Neben Artikeln und Videos zu Buchholtz und Koster gibt es auch Porträts zeitgenössischer Komponistinnen. 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 21.03.2020 | 09:20 Uhr

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