Stand: 12.01.2018 08:23 Uhr

Spannende Diskussion zum Glück

von Agnes Bührig

Was macht ein Jahr zu einem guten Jahr? Und wie wappnen wir uns gegen das Scheitern? Diesen Fragen widmeten sich die Herrenhäuser Gespräche in Hannover unter dem Titel "Erfolg - Geborgenheit - Glück: Was ist ein gelingendes Leben?".

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Was ist ein gelungenes Leben? Zu diesem Thema diskutierten (v. l.) Arno Geiger, Judith Glück, Martin Diewald und Ulrich Kühn.

Der Andrang war groß, das Auditorium im Tagungszentrum Herrenhausen bis auf den letzten Platz gefüllt, wo auf dem Podium Wissenschaftler und Praktiker Platz genommen hatten: Die Psychologin und Weisheitsforscherin Judith Glück, der Soziologe und Lebenslaufforscher Martin Diewald und Arno Geiger, der als Schriftsteller dem gelingenden Leben nachspürt, etwa in seinem neuen Buch "Unter der Drachenwand", das im Zweiten Weltkrieg spielt: "Ich glaube, eine ganz entscheidende Frage ist dann vielleicht am Ende Reue. Wie viel Reue habe ich angehäuft in meinem Leben. Und wenn ich wenig Reue angehäuft habe, dann habe ich ein gelingendes Leben."

Geborgenheit als Motor

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Das Thema fand offenbar Anklang: Das Auditorium im Tagungszentrum Herrenhausen war voll besetzt.

Mit sich selbst im Reinen zu sein, sagt Arno Geiger, zu wissen, wer man ist und wo man herkommt und hingehört, das ist wichtig. Und so diskutierte das Podium über die Bedeutung von Heimat und Geborgenheit: Heimat, ein Begriff, der sich langsam und stetig aus dem negativen Klammergriff nationalsozialistischer Ideologie arbeitet - allen erstarkenden rechtsnationalen Kräfte in Europa zum Trotz.

Und Geborgenheit, die als Kraft der Zugehörigkeit wirkt, sagt der Soziologe Martin Diewald, der an der Universität Bielefeld lehrt: "Wir sind soziale Wesen, es ist für uns ganz essentiell, dass wir uns aufgehoben fühlen in größeren Zusammenhängen: Das ist der Wert von Freundschaften, ganz stark, das ist der Wert von Familien, ganz stark, das sind Dinge, die kann man nicht einfach individuell anstreben. Das ist ein ganz starkes Erlebnis, dass man sich zusammen tut, um etwas zu erreichen, was man alleine nicht erreichen kann."

Gelassen bleiben!

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Ulrich Kühn von NDR Kultur (r.) bewies ein glückliches Händchen bei der Gesprächsführung.

Und wenn einmal etwas misslingt, wir Fehler machen? Dann sollten wir sie nicht wiederholen, es gäbe genug andere Fehler zur Auswahl, zitiert Arno Geiger Napoleon. Denn auch ein Scheitern gäbe Orientierung. Und wer daran nicht wachsen will, dem bleibt noch der Mechanismus der Kontrollillusion, sagt die Österreicherin Judith Glück, die an der Universität Klagenfurt zum Thema Weisheit forscht: "Für all die guten Dinge in meinem Leben bin ich verantwortlich. Ich habe meine Position deshalb erreicht, weil ich halt die Beste war und mich immer angestrengt habe, und wenn irgendetwas nicht geklappt hat, dann lag das an irgendwelchen blöden Zufällen oder an irgendwelchen Leuten, die ich immer schon nicht mochte. Das können wir ganz gut als Menschen, und zwar nicht nur andern gegenüber, sondern wir flunkern ja auch uns selber an."

Denn erfolgreich, das wollen wir eben auch gern sein – ein weiteres der vielen Bestandteile von Gelingen, dessen Bedeutung an diesem Abend diskutiert wurde und der mit einem Ratschlag von Martin Diewald endete: "Grübeln, was zu einem passt, wer zu einem passt - und wenn es nicht klappt: Gelassen bleiben!"

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 12.01.2018 | 07:20 Uhr