Blick in die Ausstellung von Gerhard Stromberg auf Schloss Güstrow. © NDR Foto: Lenore Lötsch

Schloss Güstrow zeigt Stromberg Fotografien

Sendedatum: 19.10.2020 14:20 Uhr

Mindestens zwei Jahre wird die Schau "Innenbilder" des Fotografen Gerhard Stromberg auf Schloss Güstrow gezeigt. Es sind Bilder, die - mitten im Baugeschehen - Geschichte bewahren.

von Lenore Lötsch

Die Güstrowerinnen und Güstrower schließen mittlerweile Wetten ab: Ob das Land Mecklenburg-Vorpommern es wirklich noch schafft, dass in diesem Jahr noch Gerüste am Güstrower Schloss aufgebaut werden. Es ist immerhin der bedeutendste Spätrenaissancebau Norddeutschlands, die Sanierung wurde seit Jahren immer und immer wieder angekündigt und dann immer und immer wieder verschoben. Anfang 2020 hieß es vom Land: Baubeginn wird im Sommer sein, spätestens im Spätsommer werden die Gerüste stehen.  Gerüste entdeckt man am Schloss zwar noch nicht, aber eine Ausstellung mit dem Titel "Innenbilder", die den Weg dorthin unbedingt lohnt.

Auf der Spur der Menschen

Blick in die Ausstellung von Gerhard Stromberg auf Schloss Güstrow. © NDR Foto: Blick in die Ausstellung von Gerhard Stromberg auf Schloss Güstrow.
Der Garderobenständer -entdeckt, fotografiert und gleich noch leibhaftig in die Ausstellung gestellt.

Ein grün gestrichener Garderobenständer aus Armeebeständen - das ist das Erste, was der Ausstellungsbesucher sieht. Ein mannshohes Objekt, bei dessen Bau die Ästhetik gerade Pause machte, die Funktionalität gab den Ton an. Eine graue Wollmütze baumelt da. Irgendjemand hat sie schon vor sehr langer Zeit vergessen. 

Und schon ist man mittendrin im Konzept des Fotografen Gerhard Stromberg, erzählt die Kuratorin Regina Erbentraut: "Stromberg ist niemand, der den herrschaftlichen Aspekt von Schlössern zeigt, also er hätte ganz gewiss nie in Versailles oder in Potsdam fotografiert. Sondern er sucht nach den Spuren von Menschen, die sie in diesen Bau eingeschrieben haben."

Entdeckt, fotografiert und abgestellt

Den Garderobenständer hat Stromberg entdeckt, fotografiert und eben auch gleich noch leibhaftig in die Ausstellung gestellt. Wer die kunsthistorischen Juwelen des Schlosses auf den Fotos sucht - beispielsweise den dreidimensionalen Rotwildfries aus der Erbauungszeit des Schlosses um 1570 -, entdeckt auf einer Fotografie einen Festsaal im Wartemodus.

"Wir sehen, an die Seite geschoben, den alten Blüthner Flügel unter seiner Kunstlederabdeckung. Er steht da wie abgedankt, wie der Abgesang, die Schlusskadenz einer Ära und er steht da vor einem Fenster, durch das zwar Licht fällt, aber das ist ein ganz zentrales Gestaltungsmerkmal von Stromberg, wir können nicht aus diesem Fenster hinausgucken," erzählt die Kuratorin.

Gerhard Stromberg und die Landschaften

Eigentlich fotografiert Gerhard Stromberg Landschaften in Indien, Italien, Frankreich und Ungarn. Gerade ist er in Griechenland unterwegs. Aber seit vier Jahren kam er immer wieder regelmäßig ins Güstrower Schloss. Mit einer großen Plattenkamera stieg er in den Heizungskeller und auf den Dachboden. Er wartete, dass das Licht perfekt mit den jahrhundertealten Balken spielte, er ließ den Staub tanzen und auf seinen Fotos sieht es aus, als sei die Schubkarre aus dem 20. Jahrhundert schon immer dafür gemacht, in einem weichen, bräunlich schimmernden Renaissance- Stillleben aufzutauchen.

"Echt krass! Das kann nur gezeichnet oder gemalt sein, das ist kein Foto!" staunt die Zehntklässlerin Lenore Biemann aus Güstrow. Sie ist eine der der ersten Besucherinnen, die die  Ausstellung  "Innenbilder" im Güstrower Schloss  besucht. "Diese ganzen Fotografien zeigen ein Teil des Schlosses, den man nie sehen würde oder nie so gesehen hätte, ich wär' auch nicht darauf gekommen, dass Teile des Schlosses so aussehen," stellt Regina Erbentraut fest.

Lust auf mehr Hintergrundwissen

Menschen fehlen auf den 19 großformatigen Fotografien von Gerhard Stromberg. Und doch hat man schnell das Gefühl, man muss mehr über die wissen, die in diesen Mauern lebten: weniger über die mecklenburgischen Herzöge oder über Wallenstein, der hier ab 1626 residierte, sondern über die, die in den zwei Räumen der Ausstellung - der ehemaligen Hofstube - aßen, schimpften, träumten und litten.

"Viele Menschen waren nicht freiwillig hier. Hier haben sich die Welten von Palast und Hütte irgendwann durchdrungen. Das Schloss war Landarbeitshaus, hier waren wirklich die Ärmsten. Die waren hier auf strengste Weise interniert. Güstrow war kein guter Ort," berichtet Erbentraut.

Die Sanierung - Skepsis bei den Güstrowern

In einem zweiten Raum der Ausstellung zeigt ein Film aus dem Jahr 1977, den Güstrower Amateurfilmer gedreht haben, die letzte Schlosssanierung von vor 50 Jahren. Bretterkonstruktionen werden zu so etwas wie Gerüsten, aber immer hin: Sie stehen! Die Ausstellungsbesucherin Barbara Wolbring schaut ein bisschen skeptisch, auf die Pläne der nun anstehenden Sanierung: "Das Schloss ist irgendwie wie so eine Ur -Architektur für die Güstrower,  so ein Zuhause auch und wenn das dann so glatt und fertig saniert ist und vielleicht totsaniert, das darf nicht passieren, das wär sehr, sehr schade."

Bei der virtuellen Ausstellungseröffnung nahmen manche Güstrowerinnen und Güstrower die Zwischentöne sehr genau wahr: Denn während der Finanzminister des Landes Reinhard Meyer bisher immer betonte, die anstehende Fassaden- und Dachsanierung würde bis 2023 dauern, sprach er nun von 2024. Und ein inhaltliches Konzept, was dann im Güstrower Schloss zu sehen sein wird, ist nach wie vor noch nicht veröffentlicht worden.

Weitere Informationen
Blick auf das Schloss Güstrow mit Schlossbrücke. © NDR Foto: Kathrin Weber

Kunst und Kultur in Güstrow erleben

Ob Barlachstadt oder Residenzstadt - Güstrow steht für bekannte Künstler und Herrscher. Höhepunkte der sehenswerten Altstadt sind das Renaissance-Schloss und das Rathaus. mehr

Das Schloss von Güstrow © imago images Foto: blickwinkel

Schloss Güstrow: Renaissance in Mecklenburg

Residenz der Herzöge, Lazarett und Altenheim: Schloss Güstrow diente vielen Zwecken. Derzeit wird der Bau, der zu den bedeutendsten Renaissance-Anlagen im Norden zählt, saniert. mehr

Schloss Güstrow zeigt Stromberg Fotografien

Auf Schloss Güstrow wird eine Schau des Fotografen Gerhard Stromberg gezeigt - Bilder, die Geschichte bewahren.

Datum:
Ort:
Schloss Güstrow
Werderstr. 141
19055Schwerin
Telefon:
0385 – 588 41 001
E-Mail:
info@mv-schloesser.de
Preis:
Eintritt ist frei
Öffnungszeiten:
täglich außer montags von 11 bis 17.00 Uhr
In meinen Kalender eintragen

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 19.10.2020 | 14:20 Uhr

NDR Kultur Livestream

ARD Nachtkonzert

00:00 - 06:00 Uhr
Live hörenTitelliste