Stand: 27.03.2020 19:00 Uhr

Online-Auftritt: Museum für Kunst und Gewerbe

von Anette Schneider

Wegen der Corona-Krise bleiben die deutsche Museen vorerst geschlossen, doch auch am Bildschirm kann man den Institutionen einen spannenden Besuch abstatten. In der neuen Reihe "Online-Auftritte von Museen" stellt NDR Kultur empfehlenswerte Internetseiten vor - so auch vom Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe.

Online-Auftritte von Museen können ziemlich langweilig sein. Mal klickt man sich lediglich durch ein paar Beispiele des Bestands oder es werden einige Bilder samt Erklärtexten aus längst vergangenen Ausstellungen gezeigt. Das Museum für Kunst und Gewerbe, das in seiner riesigen Sammlung Kunstgewerbe, Möbel, Design, Mode und Kunst vereint, zeigt, dass es anders geht. Vor zwei Wochen startete das Haus als Reaktion auf die Corona-Krise die Videoserie "culturedoesntstop", in der die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Museums kurz und anschaulich Kunstobjekte ihrer Wahl vorstellen. So erklärt beispielsweise Frank Hildebrandt, Leiter der Antikensammlung des Museums für Kunst und Gewerbes, die Besonderheiten einer gewaltigen Büste.

Seit Langem nutzt das Museum die Möglichkeiten des Internets ebenso souverän wie unterhaltsam: Ob Renaissance-Kunst, Design, Mode, Plakate, Fotografie oder ostasiatische Kunst - erst einmal wird jede Sammlung ausführlich in Texten und Bildern vorgestellt. Ein Archiv versammelt Materialien über vergangene Projekte und es gibt eine eigene Seite über die Provenienzforschung am Haus.

Abwechslungsreiches digitales Angebot

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Klickt man sich auf auf der Homepage unter der Rubrik "Vermittlung" durch bis zu den "digitalen Angeboten", werden einem gleich zwölf abwechslungsreiche Themenbereiche geboten. Der Podcast "Abgestaubt" etwa stellt in kurzen Audio-Interviews Berufe im Museum vor: vom Sammeln, Bewahren, Erforschen bis zum Ausstellen und Vermitteln. Die "Trickfilmwerkstatt" für Kinder versammelt kleine Stummfilme und in dem "Web-Magazin von und für Schüler*Innen" stellen Schülerinnen und Schüler einer 9. Klasse in aufwendigen Collagen aus eigenen Texten, Zeichnungen und Fotografien die für sie interessanten Objekte und Veranstaltungen des Hauses vor. Auf diesen Weise locken sie auch Gleichaltrige ins Museum. Die umfangreiche Sammlung an Musikinstrumenten des Museums wird durch mehrere Videofilme und eine kostenlos herunterzuladende App präsentiert. Hier werden zahlreiche historische Instrumente auch akustisch erlebbar.

Glanzpunkt: die MKG Sammlung Online

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Diesen außergewöhnlichen Wandteppich der Künstlerin Frida Hansen (1855–1931) kann man sich in der MKG Sammlung Online ansehen und erhält zudem Erklärungen zum Kunstwerk.

Zentrum der digitalen Arbeit des Museums bildet aber natürlich das große Online-Archiv: Seit Jahren werden die über 500.000 Objekte des Hauses digitalisiert und öffentlich zugänglich gemacht. Im Gegensatz zu anderen Museen, die lediglich Abbildungen zeigen, nimmt man hier den Begriff "Archiv" ernst und nennt auch Entstehungszeit, Größe und Material der Objekte. Außerdem wird auch auf Besonderheiten der Werke hingewiesen.

"Grimme Online Award 2018" für das MKG

Zudem sollte man sich auf der Homepage ein besonderes digitales Projekt ansehen: Das Web-Journal "Bewegte Jahre. Auf den Spuren der Visionäre", das das Museum für seine in Deutschland einmalige Jugendstil-Sammlung entwickeln ließ. Die filmische Animation über die Geschichte des Jugendstils vereint in ungewöhnlicher, visueller Form Tagebucheintragungen, Zeichnungen, Treffen mit Künstlern und Philosophen, historische Fotos sowie Filmsequenzen zu einem Gesellschaftspanorama um 1900. Das Besondere daran: Der im Zentrum stehende Reporter Christian Höller hat nie existiert. Das Museum erhielt dafür den "Grimme Online Award 2018" in der Kategorie Kultur und Unterhaltung.

Auch für seinen Online-Auftritt hätte das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe eine Auszeichnung verdient - für die Aktualität vieler Themen und die selbstverständliche Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen. Viel Spaß beim digitalen Museumsbesuch!

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 27.03.2020 | 19:00 Uhr