Stand: 03.07.2019 07:50 Uhr

Sneaker aus Rosenblättern, Sandalen aus Schnüren

von Kristina Hortenbach

In Berlin läuft seit Montag die Fashionweek mit der neuen Sommermode fürs kommende Jahr - mit vielen Modenschauen und Messen in der Stadt. Eine Messe ist in den vergangenen Jahren immer größer, wichtiger und einfallsreicher geworden: Der Greenshowroom, der sich jetzt Neonyt nennt, feiert in diesem Jahr zehnjähriges Jubiläum unter dem Motto "Wasser". Denn um allein ein T-Shirt herzustellen, verbraucht die Industrie 2.700 Liter Wasser. Der weltweite Verkauf von Kleidung hat sich in den vergangenen 15 Jahren verdoppelt. Dagegen geht Neonyt vor. Viele Aussteller zeigen in diesen Tagen dort wie einzigartig und nachhaltig und fair Mode sein kann.

Es duftet nach Rosen. Am Stand der Firma "Like a bird" hängen rosa Stufenkleider, Blusen in blau- oder ocker-weiß gestreift und sie riechen gut. "Das liegt an der Rosenviskose, aus der sie gemacht sind", erklärt Inhaberin Tanja Kliewe-Meyer und ergänzt: "Das ist eine Kombination aus Rosenviskose und Baumwolle. Die Ware ist zu hundert Prozent kompostierbar."

Auch Cannabis wird verarbeitet

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Tanja Kliewe-Meyer von der Firma "Like a bird" und ihre Kollegin zeigen ihre Kleider aus Rosenviskose.

Die Rosenviskose kommt von einem Stofflieferanten aus Portugal, die Farbe ist ökologisch, gefertigt wird in kleinen Manufakturen in Mazedonien. Die Kleider in kleiner Auflage kosten 239 Euro, eine Bluse 149 Euro. Nach Rosen duftet es auch ein paar Stände weiter. Sebastian Thies von "nat-2" macht Sneaker aus Rosenblättern und mehr: "Dieses Mal haben wir Schuhe aus echten Cannabis-Blättern mitgebracht. Und wir haben auch Schuhe aus Moos dabei."

Alle Schuhe sind nachhaltig, das Moos für die Moosschuhe kommt von Tiroler Wiesen, der Kaffee für die Kaffeesneaker vom Barista und die Rosenblätter sind Abfall vom Floristen. Alle Schuhe werden von Hand in Italien gefertigt, sie kosten zwischen 300 und 500 Euro. Sogar vegane Schuhe gibt es: weiße Sneaker aus Papier - wasser- und reißfest sowie ohne Geruch.

"Unser Futter ist aus Bio-Keramik gemacht", sagt Thies und fügt hinzu: "Da werden Silberfäden miteingesponnen - also alles 100 Prozent natürlich. Und das ist antibakteriell und antiseptisch. Dadurch ist das Fußklima zusammen mit der Kork-Innensohle mindestens genau so gut wie bei Ledersohlen."

Frauen-Unterwäsche mit recycelbarer Spitze

Wer noch nachhaltige Schuhe für den Sommer sucht, könnte in der oberen Abteilung der Neonyt-Messe fündig werden: Dort stellt Antje Frers von der Firma "Nomadic State of Mind" ihre Sandalen aus Schnüren vor: "Die werden in Nicaragua in einer umgebauten Kaffeefabrik fair hergestellt. Dort werden die ganzen Seile gemacht. Die sind aus Plastik, aber aus einem Plastik, das in den gelben Sack kann."

Viele der Anbieter von nachhaltiger Mode sind seit Jahren auf der Messe, wie Verena Paul-Benz von Lovjoi. Neben sportlicher, veganer Mode bietet sie in dieser Saison Jeans an, die in der Türkei nur mit Wasserdampf und Laser bearbeitet werden. Außerdem im Repertoire: Unterwäsche für Frauen, Hosen und Push-up-BHs in schwarz mit neuartiger Füllung: "Diese Spacer-Cups sind eine neue Technologie, die ganz ohne Schaum auskommt", erklärt Paul-Benz: "Dabei werden zwei textile Schichten miteinander über dünne Fäden miteinanderverbunden und ergeben so ein Pad, was sich anfühlt wie ein Schaum-Cup."

Denn Silikonschaum, der üblicherweise im Push-up verwendet wird, kann Krebs auslösen. Die Unterwäsche von Lovjoi sieht dabei nicht bieder aus, sondern sexy mit Spitze. "Auch die Spitze besteht aus recyceltem Material", sagt Paul-Benz: "Dazu haben wir ein Material, das ganz neu auf dem Markt ist: ein biologisch abbaubares Elastan. Man kann also wirklich sagen, dass hier die gesamte Innovation drinsteckt, die man über nachhaltige Textilien momentan hat."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 03.07.2019 | 14:20 Uhr