Stand: 13.11.2018 10:42 Uhr

Kurz und Passig diskutieren im "HörSalon"

von Melanie von Bismarck

Digitale Medien haben unser Leben tiefgreifend verändert. Allerdings fragen sich viele, ob das Internet und die sozialen Netzwerke die Welt nun besser oder schlechter gemacht haben. Darüber haben die Autorin und Journalistin Kathrin Passig zusammen mit der Sprecherin des Chaos Computer Clubs Constanze Kurz im "HörSalon" des Hambruger Bucerius Kunstforums diskutiert.

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Constanze Kurz führt im HörSalon die Diskussion von irrationalen Ängsten hin zu einem vernunftgeleiteten Umgang mit den digitalen Medien. (Archivfoto 4. Mai 2018)

Zwei Expertinnen, zwei unterschiedliche Positionen. Von "digitaler Depression" ist bei beiden nichts zu spüren. Jede technologische Veränderung erzeuge Angst, führe zunächst zu Verdruss, so ihre Überzeugung. Kathrin Passig ist Netzfachfrau, Sachbuchautorin und Journalistin. Sie hat unter anderem gemeinsam mit dem bekannten Blogger und Netzaktivisten Sascha Lobo das Buch "Internet. Segen oder Fluch" verfasst. Kathrin Passig nutzt die neuen Möglichkeiten digitaler Kommunikation mit großem Gewinn. Mit vielen Menschen könne sie sich auf diesem Wege viel besser auseinandersetzen als im persönlichen Gespräch.

Neue Kommunikations-Technologien findet Constanze Kurz gut. Machen sie doch aus ihrer Sicht in allen Lebensbereichen so vieles bequemer: "Ich glaube nur, dass man ohne so eine gesunde Skepsis an so eine Technik nicht ran gehen sollte. Mir gefällt halt nicht, wenn man Entwicklungen, die entstanden sind, die man für Fehlentwicklungen hält, unkommentiert lässt. Und davon ist natürlich in der digitalen Zeit eine Menge zu sehen." Constanze Kurz ist von Haus aus Informatikerin, Sprecherin des Chaos Computer Clubs, Kolumnistin und Buchautorin. Datensicherheit und Überwachungstechnologie sind ihre zentralen Themen.

Digitale Entwicklung gelassen abwarten

Alexander Solloch © NDR Foto: Christian Spielmann

Kurz und Passig diskutieren im "HörSalon"

NDR Kultur -

Die Sprecherin des Chaos Computer Clubs Constanze Kurz und die Autorin Kathrin Passig haben beim "HörSalon" im Hamburger Bucerius Kunstforum über "digitale Depression" gesprochen.

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Kathrin Passig dagegen sieht die Entwicklung mit großer Gelassenheit. Um das Unbehagen an digitaler Kommunikation zu überwinden und ihre Möglichkeiten zu entdecken, rät sie zum Ausprobieren: "Bei meiner Mutter und ihrem Tablet hat dieser Prozess ungefähr ein Jahr gedauert. Bis sie wusste, was sie damit eigentlich machen kann: Scrabble spielen mit ihrer Schwester in Kanada. Das klingt banal, aber ist es natürlich überhaupt nicht, da es bedeutet, dass man plötzlich täglich Kontakt mit jemandem hat, mit dem man vorher einmal im Monat telefoniert hat."

Constanze Kurz hält dagegen, man sollte sich vorher lieber gut informieren: "Wenn ich einige Dienstleistungen anklicke und ausprobiere, dann öffne ich meine halbe Festplatte und mein Adressbuch dafür, das halte ich für keine gute Idee." Dass viele Menschen nur die Suchmaschine Google nutzen, obwohl es Alternativen gibt, für Constanze Kurz gehört das zu den Fehlentwicklungen. Man müsse sich stets bewusst sein, dass das Netz von kommerziellen Interessen gelenkt werde. Datenschutz ins digitale Zeitalter zu holen, das sei immens wichtig.

Vernunftgeleiteten Umgang mit digitalen Medien

Das Problem, so sehen es beide Podiumsgäste, seien nicht nur Google, Facebook oder Amazon, sondern auch der Staat. Überwachung finde nicht nur in China, sondern auch bei uns statt. Constanze Kunz erinnert an die Ausspähskandale und an den verheerenden Cyber-Angriff auf Millionen von Rechnern im vergangenen Jahr. Als ein Erpresser-Trojaner auch die Computer von Krankenhäusern lahm legte: "Und man muss sich klarmachen, dieser Erpressungs-Trojaner ist mal eine Schadsoftware der Geheimdienste gewesen, und ist denen quasi abhanden gekommen. Er wurde ihnen quasi geklaut. Das heißt, das ist eine staatliche finanzierte Schadsoftware, die insgesamt einen Schaden von ungefähr 4,5 Milliarden US-Dollar erzeugt hat."

Trotzdem versuchte vor allem Constanze Kurz, die Diskussion von irrationalen Ängsten hin zu einem vernunftgeleiteten Umgang mit den digitalen Medienweg zu führen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Hörbücher | 13.11.2018 | 07:20 Uhr