Stand: 21.03.2020 12:37 Uhr

Coronavirus: Musikunterricht mit dem Smartphone

von Agnes Bührig

Was macht man als Kind in der Krisenzeiten? Das Internet nutzen, vor allem zum Lernen? Das denken sich dieser Tage nicht nur viele Lehrerinnen und Lehrer. Auch im privaten Instrumentalunterricht werden Experimente in diese Richtung gestartet. In Hannover denkt die Trompetenlehrerin Marieke Ziesmann von der Neuen Musikschule in diese Richtung. Jetzt hat sie eine Stunde lang per WhatsApp unterrichtet.

Marius Budde begrüßt seine Trompetenlehrerin Marieke Ziesmann über sein Mobiltelefon. Das steht bei dem Vierzehnjährigen im Wohnzimmer neben seinen Noten auf einem zweiten Notenständer und zeigt ein Bewegtbild von der Lehrerin an. Für die 23-jährige Musikstudentin Marieke Ziesmann ist das eine ungewohnte Unterrichtssituation, aber die wohl einzige, die momentan möglich ist: "Wenn ich zum Musikunterricht fahre, dann bin ich außerhalb der Wohnung, weil ich sonst das Gefühl habe, meine Nachbarn zu stören. Das fällt natürlich jetzt alles flach."

Augen und Ohren können nicht zusammen arbeiten

Manchmal kommen die Sätze und Töne durch das Smartphone zeitverzögert rüber, manchmal ist das Bild wacklig und der Ton knackt. Doch im Großen und Ganzen können Lehrerin und Schüler zusammen üben. "Mann kann natürlich nichts direkt zeigen und so etwas wie Instrumentenhaltung sieht man natürlich auch nicht. Auf Dinge, die man gleichzeitig sehen und hören muss, kann man nicht eingehen", so Marieke Ziesmann.

Einige Tücken, viele Möglichkeiten

"Übungen im doppelten Zungenschlag" steht über dem Notenblatt, das die Artikulation schulen soll. Die Lehrerin spielt vor, der Schüler spielt nach, beide müssen sich dabei genau auf den Ton konzentrieren. Unterricht, vermittelt übers Internet, hat so seine Tücken. Allerdings bietet die digitale Welt durchaus Möglichkeiten.

Digitaler Unterricht war für beide ein Experiment. Aber ob das eine Methode für länger ist? Marius Budde zweifelt: "Ja, es wäre möglich, aber normaler Unterricht ist besser."

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