Stand: 23.03.2020 19:12 Uhr

Lichtblick des Tages: Niemand ist alleine

von Irene Dohna

"Wir sind für Sie da, niemand muss sich allein fühlen!" Unter diesem Motto hat sich die Caritas in Südniedersachsen etwas Neues überlegt, nachdem auch sie aufgrund der Corona-Pandemie alle Einrichtungen für den Publikumsverkehr schließen mussten. Nun gibt es täglich ein Info- und Beratungstelefon - für jedermann.

 © picture-alliance/ZB Foto: Marion Gröning
Besonders bei einsamen Menschen sorgt die Coronakrise für Angst und Verzweiflung. Die Caritas hört ihnen zu.

Seit vergangenem Sommer arbeitet Isabel Lubojanski für die Caritas. Im Caritas-Zentrum Duderstadt berät die 30-Jährige hauptberuflich in erster Linie Familien. Nun arbeitet sie im Homeoffice und hat ein Ohr für jeden ihrer Anrufer. Von 8 bis 16 Uhr ist sie zu erreichen. In den letzten Tagen klingle ihr Telefon ununterbrochen, sagt Isabel Lubojanski. "Die Ängste nehmen zu. Besonders bei denen, die einsam sind und sich mit niemandem austauschen können. Und wenn dann in diesen Tagen oft der Fernseher läuft oder die Zeitung aufgeschlagen wird, ist die Pandemie das Thema der Stunde - das steigert bei vielen Leuten die Angst. Wir bekommen dann Anrufe von Menschen, die sich einfach mal mit jemandem über die Krise austauschen möchten und erzählen wollen, wie es ihnen damit geht."

Auch Menschen, die einfach nur plaudern möchten, dürfen anrufen!

"Ich glaube, dass unser Beratungstelefon dieser Tage garantiert ein Lichtblick ist. Wir nehmen die Sorgen und Ängste der Anrufer ernst und vermitteln ihnen auch die Hoffnung, dass das Leben weitergehen wird und sie die Krise überstehen werden", so Ralf Regenhardt, Chef der Caritas in Südniedersachsen. Bis zu 60 Anrufe täglich erreichen die Caritas-Zentren in Göttingen, Duderstadt und Herzberg. Mehrere Stunden am Tag spricht Isabel Lubojanski mit ihren Anrufern. Ihr oberstes Ziel sei es, den Leuten über das Telefon durch diese schwere Zeit zu helfen und auch praktische Tipps für den Alltag zu vermitteln. "Wir rufen die Menschen auch noch einmal an und fragen, wie es ihnen geht. Das ist gerade unsere wichtigste Aufgabe." In dieser Zeit rät Isabel Lubojanski, an gewissen Strukturen im Alltag festzuhalten. So sei auch zum Beispiel die Schule ein Ort, der Kindern eine Orientierung und Struktur gebe. Aufstehen in der Früh, sich anziehen, Hausaufgaben erledigen, gemeinsame, regelmäßige Mahlzeiten, raus gehen an die frische Luft. All das würde Kindern - und auch Eltern - einen gewissen Halt vermitteln.

Ein Griff zum Hörer genügt

Doch Isabel Lubojanski hat auch oft Menschen am anderen Ende der Leitung, die gar niemanden haben. Die Caritas Mitarbeiterin hofft, dass in diesen Zeiten niemand gänzlich allein auf sich gestellt sein muss. "Das ist ein Appell an alle anderen Menschen, an Familien und an Freunde: Ruft die Leute einfach mal an! Vielleicht auch mehrmals in der Woche. Gerade die Menschen, die einsam und allein zu Hause sind, brauchen uns jetzt mehr denn je."

Beratungstelefone der Caritas in Südniedersachsen
DuderstadtIsabel LubojanskiTel.: 0151-40 24 69 89
GöttingenMaria WeissTel.: 0551-99 95 914
HerzbergMagdalena BunteTel.: 05521-99 97 273

 

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