Stand: 12.04.2018 17:00 Uhr

Maybebop mit neuem Bass

von Johannes Avenarius

Jan, Lukas, Oliver und Sebastian - das sind die Namen der vier Sänger der A-cappella-Gruppe Maybebop. Seit 16 Jahren arbeiten sie zusammen und singen zusammen auf der Bühne. In dieser Zeit sind sie von einer Gruppe unter vielen zur wichtigsten A-cappella-Referenz in Deutschland geworden. Im März wurde diese Einheit gesprengt. Bass Sebastian Schröder hat angekündigt, sechs Monate aussetzen zu müssen - der Rücken. Die Band organisierte sich mit Christoph Hiller einen Ersatz auf Zeit.

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Er ist der Maybebop-Bass auf Zeit: Christoph Hiller (ganz links) mit seinen neuen Mitstreitern.

Nach 16 Jahren ist das wohl wie in einer alten Ehe. Man kennt alle Vor- und Nachteile des Mitsängers, ist eingespielt, einfach eine feste Einheit. Oder, wie Maybebop-Bariton Oliver Gies es ausdrückt: "Ich verbringe mit den Jungs von Maybebop wesentlich mehr Zeit als zum Beispiel mit meiner Frau. Wir sind schon wirklich sehr aufeinander eingeschworen und haben schon so einiges voneinander gesehen und viel miteinander erlebt, deswegen ist das schon sehr, sehr eng."

Maybebop-Bass Sebastian muss pausieren

Und plötzlich sagt einer der vier: Es geht nicht mehr. "Als dann der Entschluss gefasst war, dass Sebastian tatsächlich ein halbes Jahr Pause machen wird, saßen wir erst einmal alle schweigend um den Tisch", erinnert sich Countertenor Jan Bürger und fügt hinzu: "Es war schon eine ziemlich krasse Entscheidung und dann haben wir auch alle ein Tränchen verdrückt und uns in den Arm genommen."

Die Suche nach Ersatz: Acht Tage am Limit

Es folgen intensive Tage, in der die Band auf die Suche nach einem Nachfolger geht. Eine schwierige Zeit, zumindest für Oliver Gies: "Bis zum Zeitpunkt 'Christoph hat zugesagt' waren das acht Tage, die mich an den Rand gebracht haben. Da hab ich gedacht, jetzt bin ich der Nächste, der ausfällt. Also, da lagen die Nerven blank." Drei Bässe hörten und sahen sich Maybebop an - am Ende setzte sich Christoph Hiller aus Weimar durch. "Ich bin dann, ehrlich gesagt, auch ein bisschen unbedarft da rangegangen", sagt der. "Ich hab gesagt, du pass auf, ich guck mir das gerne an, ich komm gerne vorbei zu euch nach Hannover, schick mir mal die Stücke, und dann gucken wir, wie es menschlich passt."

Aushilfs-Bass Christoph: Das volle Programm in drei Wochen

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Christoph Hiller fühlt sich sichtbar wohl auf der Bühne.

Es hat offenbar gepasst, denn Christoph hat innerhalb von drei Wochen das komplette aktuelle zweistündige Programm gelernt: Noten, Text, Choreografieschritte, Dramaturgie. Bei der letzten Probe in Hannover gibt es nur noch Kleinigkeiten abzuklären. Christoph berichtet: "Es gab schon die ein oder andere Nacht, die ich jetzt nicht geschlafen habe, weil es natürlich innerlich aufreibt, wenn man so eine Setlist vorgelegt bekommt und gesagt kriegt, 'Du, pass auf, in so und so viel Wochen ist das erste Konzert, jetzt mach mal.'"

Ganze drei Mal hat Maybebop mit dem neuen Bass zusammen geprobt. Und auch für die Stammbesetzung fühlt sich die Arbeit plötzlich wieder ganz anders an. Oliver: "Dann ist es aber auch so, dass wir jetzt gerade deutlich effizienter und disziplinierter proben, als wir das mit Sebastian mitunter machen."

Erster Auftritt in neuer Formation

Und dann ist es so weit: das erste Mal Maybebop mit Bass Christoph vor Publikum - eine Vorpremiere für den Fanclub und andere Freunde in Hannover. Und wie geht's Christoph? "Im Moment ist alles noch entspannt, ich bin sehr gespannt, ob sich das gleich ändern wird, wenn ich hier vor der Bühne stehe und dann mit den Jungs losmarschiere, fürs erste Stück, was nämlich mein Kracher ist: mit Choreo und Singen."

Von Alternative Metal bis Gangsta-Rap - alles a cappella

Christoph muss durch alle Disziplinen durch, die Maybebop im Laufe eines Konzertes so bearbeitet: einen Marsch, Alternative Metal, Gregorianische Gesänge, Gangsta-Rap - alles a cappella, versteht sich. Und das Publikum nimmt ihn an: "Christoph hat einen sehr guten Eindruck gemacht. Ich bin auch überrascht, dass man innerhalb so weniger Tage so viele Maybebop-Songs in sein Gehirn reinstopfen kann", sagt ein Zuschauer, und ein anderer Fan findet: "Ich hab es mir mit geschlossenen Augen angehört, um zu gucken, ob ich irgendwie einen großen Unterschied feststelle. Ja, es ist ein Unterschied, aber es ist trotzdem gut."

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 13.04.2018 | 06:40 Uhr