Stand: 22.05.2020 16:29 Uhr

Album der Woche: Island

von Matias Boem, NDR Info Nachtclub & Nightlounge
Das Cover des Albums "Island" von Owen Pallett © Domino Recording Co Ltd Foto: Jeff Bierk
Owen Pallett hat "Islands" ohne Ankündigung veröffentlicht.

Noch bevor die Öffentlichkeit die Musik von Owen Pallett bewusst wahrnahm und lieben lernte, hatte er bereits im Hintergrund an großen Erfolgen mitgearbeitet. Der klassisch ausgebildete Violinist aus Toronto, der auch Sänger, Produzent und Arrangeur ist, schrieb neben seiner Arbeit für Hidden Cameras, Fucked Up, Beirut und The Last Shadow Puppets die mit einem Grammy ausgezeichneten Arrangements für die Hit-Alben "Funeral", "Neon Bible" und "The Suburbs" von Arcade Fire. Seinen ersten Polaris-Preis erhielt er im Jahr 2006 für sein zweites Album "He Poos Clouds", damals noch unter dem Namen Final Fantasy. Sein drittes Werk "Heartland" wurde ebenfalls nominiert, sein viertes "Conflict" war komponiert für eine abendfüllende Aufführung und entstand in Kooperation mit Brian Eno. Dann folgten sechs Jahre Schweigen, die wieder mit Arbeit im Hintergrund angefüllt waren: Streicher-, Blechbläser- und Orchesterarrangements für Frank Ocean, Caribou, The Last Shadow Puppets, The National, Christine and The Queens, R.E.M., Linkin Park, Sigur Rós, Taylor Swift und die Pet Shop Boys. Die Produktion der Musik für zwei Fernsehserien und sieben Filme, darunter die Oskar-nominierte Arbeit an Spike Jonzes "Her" sowie die Emmy-veredelte Arbeit für Sølve Sundsbøs Fourteen Actors Acting. Und schließlich die Produktion von "In League With Dragons", des gefeierten 17. Albums der Mountain Goats.

Vergangenen Freitag ist Michael James Owen Pallett-Plowright, wie er vollständig heißt, nun überraschend zurück ins Rampenlicht gekehrt, mit einem eigenen Album namens "Island". Ein Song-Zyklus, den er vollständig auf einer alten Akustik- Gitarre schrieb, nur um später doch wieder davon zu träumen, ihn als 80-minütiges Orchesterwerk zu veröffentlichen. Das finale Album ist glücklicherweise eine Mischung aus beidem. So blieb einerseits der reine, fein ziselierte Duktus der Originalsongs enthalten, während die Lieder andererseits durch das in den Abbey Road Studios aufgenommene London Contemporary Orchestra einen strudelhaften Sog in eine beunruhigende Tiefe entfalten. Ganz so, als sei es einem Maler gelungen, die Schlichtheit seiner ersten Skizzen mit der expressiven Wucht der vollendeten Arbeit in ein und demselben Werk zu verbinden.

Am Dienstag senden wir ein Interview mit Owen Pallett im Nachtclub-Magazin.

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Island

Label:
Domino
Veröffentlichungsdatum:
22.05.2020

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Nachtclub | 25.05.2020 | 23:05 Uhr