Sendedatum: 10.08.2018 11:15 Uhr

Viel Ärger mit Airbnb

Airbnb? Eigentlich eine schöne Erfindung: Privatleute stellen ihren Wohnraum für Übernachtungen zur Verfügung - Gäste kommen in der Regel deutlich günstiger unter als im Hotel. Doch es gibt immer mehr Probleme: Der Journalist Benjamin Cordes hat ganz eigene Erfahrungen mit Airbnb gemacht und bei Hinnerk Baumgarten im NDR 2 Vormittag darüber berichtet.

Eigenbedarf? Von wegen...

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Gute Idee, aber im Alltag oft problematisch: Airbnb.

Benjamin Cordes bekam eine Kündigung von seiner Vermieterin, ist ausgezogen. Wegen Eigenbedarf - die Vermieterin wollte selbst in ihre Wohnung einziehen. So schien es. Doch wenige Wochen später bekam Cordes eine Nachricht von seiner ehemalige Nachbarin: Nicht die Vermieterin, sondern "komische Leute" wohnten jetzt neben ihr. Sie hat bei Airbnb nachgeguckt - und prompt die angeblich wegen Eigenbedarf gekündigte Wohnung zur Vermietung gefunden.

Benjamin stellte die Vermieterin zur Rede - und hat sie verklagt. Das Ergebnis: 1.500 Euro Schadenersatz. "Das ist wirklich noch wenig, in anderen Fällen geht es um ganz anderen Summen", sagt Cordes. Nach zehn Jahren Airbnb hat die unkomplizierte Schnellvermietung privater Räume offenbar viel von ihrem Charme verloren. Cordes hat recherchiert: "Das war ursprünglich natürlich so gedacht und es hat natürlich viel Charme, wenn man in eine fremde Stadt kommt und nicht anonym in einem Hotel wohnt, sondern privat bei Leuten untergebracht wird."

Zunehmende Kommerzialisierung

Inzwischen zeigt es sich aber, dass ganz viele Angebote auf Airbnb kommerziell sind: Es gibt Firmen, die die Vermietung übernehmen - die "wie ein Hotelbetrieb dir die Schlüssel übergeben, dich in die Wohnung einweisen. Sie nehmen dann ihre Gebühren, treten aber bei Airbnb dann nur mit einem Vorname auf." Mit dem ursprünglichem Geschäftsmodell hat das natürlich nichts mehr zu tun.

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Tut Airbnb etwas dagegn, dass es zunehmend zweckentfernd wird? "Viel zu wenig", sagt Benjamin Cordes, "das ist die große Kritik des Mietervereins, dass Leute eben dazu verleitet werden, ihre Wohnung bei Airbnb zu inserieren, damit steht diese Wohnung im Freienwohnungsmarkt nicht mehr zu Verfügung, das ist grade in Städten wie Hamburg und im Ausland Barcelona ein richtig großes Problem." Airbnb ziehe sich mehr oder weniger passiv raus, verweist auf örtliche Bestimmungen und Gesetze - diese einzuhalten ist die Sache der Vermieter vor Ort, wird argumentiert.

Kampf gegen Zweckentfremdung

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Das persönliche Umfeld schätzen viele Kunden an privat vermieteten Räumen.

Vor allem Städte, in denen der Wohnungsmarkt besonders angespannt ist, haben wachsende Probleme mit Airbnb - viele steuern gegen. Hamburg mit mehr als 6.000 Ferienwohnungen will eine Registrierungspflicht einführen - geplant ist, bei Verstößen eine Geldbuße von 50.000 Euro zu verhängen. Die Stadt München hat 2017 298 zweckentfremdete Wohnungen ermittelt und Bußgelder von insgesamt 851.000 Euro erlassen. In Barcelona tobt der Kampf schon länger, dort liegen Bußgelder noch deutlich höher.

Doch nicht nur Zweckentfremdung ist ein Problem - viele Airbnb-Vermieter versteuern ihre Einkünfte nicht. Benjamin Cordes warnt: "Da kann ich nur einen dringenden Rat geben, aufzupassen! Wenn ich große Gewinne mit der Vermietung erziele, dann habe ich vielleicht schnell das Finanzamt vor der Tür."

"Die Politik ist gefordert"

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Der Journalist Benjamin Cordes hat über Airbnb recherchiert.

Wie geht es weiter? Tatsächlich ist Airbnb immer noch eine günstige Alternative zum Hotel und bietet eine persönliche Atmosphäre. Cordes: "Einerseits ist die Politik gefordert, ganz bestimmte Grenzen einzuführen und klare Regeln aufzustellen. Anderseits macht Airbnb es sich zu leicht, wenn sie sagen, dass sie Verstöße nichts angehen. In diesem Fall sollte Airbnb viel fairer werden." München hat beispielsweise eine gesetzliche Grundlage geschaffen, von Airbnb Daten über die Vermietungen einzufordern - kommt das Unternehmen dem nicht nach, wird ein Zwangsgeld von 300.000 Euro fällig, bestätigt die Münchener Sozialreferentin Dorothee Schiwy.

Und noch einen Tipp hat Benjamin Cordes für Nutzer dieser Wohnungen: " Es sind schon einige Leute auf Fakeseiten reingefallen, die so ausahen wie Airbnb. Das Geld wurde überwiesen und ist futsch. Aber bei Airbnb direkt sind solche Fälle nicht bekannt."

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