Stand: 27.08.2020 18:48 Uhr

Kommentar: Uneinheitliche Corona-Regeln sind ein Desaster

von Isabel Reifenrath
Mitarbeiter der DB Sicherheit und Beamte der Bundespolizei gehen durch einen Zug und kontrollieren, ob die Corona-bedingte Maskenpflicht eingehalten wird. © picture alliance/Annette Ried Foto: Annette Ried
Bei Verstößen gegen die Maskenpflicht soll in allen Bundesländern mit Ausnahme von Sachsen-Anhalt ein Bußgeld von mindestens 50 Euro fällig werden.

Bundeskanzlerin Merkel und die Länderchefs haben über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise beraten. Auf eine einheitliche Regelung für private Feiern konnten sie sich nicht einigen. Aber auf ein Bußgeld von mindestens 50 Euro bei Nichteinhaltung der Maskenpflicht. Bis auf Sachsen-Anhalt hätten sich alle Länder darauf verständigt, betonte die Kanzlerin. Isabel Reifenrath, NDR 2 Berlin, kommentiert.

Im Supermarkt sehe ich immer öfter Leute, die ihre Maske unter ihrer Nase hängen haben. An der Ampel,  auf dem Radweg stellen sich manche so nah neben mich, dass da vielleicht noch 20 cm Abstand ist. In den Zügen gibt es totale Maskenverweigerer. Kein Wunder, dass die Corona-Zahlen wieder steigen.

"Corona ist anstrengend und macht keinen Spaß"

Wir sind Corona-müde. Ein bisschen kann ich es verstehen, Corona ist anstrengend und macht keinen Spaß. Aber um einen zweiten Lockdown zu verhindern, um die Wirtschaft am Laufen zu halten und die Kinder in den Schulen am Lernen – hätte es jetzt die verschärften Corona-Regelungen gebraucht. Einheitliche Regelungen hätten hier geholfen. Wer versteht schon, warum in Nordrhein-Westfalen 150 Menschen zusammen Hochzeit feiern dürfen und in Niedersachsen nur 50.

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Das hilft nicht, die Menschen von den Regeln zu überzeugen. Die Bundeskanzlerin hat nun einheitliche Corona-Maßnahmen vorgelegt. Ihr lag viel daran. Aber die Ministerpräsidenten der Länder haben sie auflaufen lassen. Sie wollen keine bundeseinheitlichen Regelungen. Sie wollen sich selbst profilieren.  

"Wenn wir selbst nicht vernünftig sind, muss die Politik es sein"

Damit sind sie meiner Meinung nach genauso verantwortungslos, wie die, die keine Maske tragen wollen. Wir sehen doch, dass es mit der Eigenverantwortung nicht weit her ist. Trotz Warnung wird in Risikogebiete gereist, trotz Warnung wird in großen Gruppen gefeiert.Wenn wir selbst nicht vernünftig sind, muss die Politik es sein. 50 Euro Strafe – wenn man keine Maske trägt: ist wohl nicht zu viel, wenn man im öffentlichen Raum nicht bereit ist die Gesundheit seiner Mitmenschen zu schützen. Und schon hier – gibt es einen Ausreißer. Fünfzehn Länder sind sich einig, nur Sachsen-Anhalt sträubt sich dagegen. Weil sich hier angeblich alle an die Maskenpflicht halten? Wirklich?

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Quarantäne statt Test für Rückkehrer aus Risikogebieten

Keine Großveranstaltungen – schlimm für die Veranstalter und Künstler: aber wer wäre noch bereit auf seine Hochzeitsfeier mit 200 Gästen zu verzichten, wenn tausende zusammen auf ein Konzert gehen dürfen? Reisen in Risikogebiete sollte man lassen – dann müsste man gar nicht darüber diskutieren, wann Rückkehrer wie getestet werden sollen. Dass sie ihre Tests künftig selbst bezahlen müssen, finde ich richtig. Es muss aber auch kontrolliert werden, dass sie sich wirklich testen lassen. Dass es wichtiger ist, in Krankenhäusern, Pflegeheimen und Lehrer zu testen – sollte selbstverständlich sein. 

Isabel Reifenrath © ARD
Isabel Reifenrath kommentiert.

Hier muss getestet werden. Hier brauchen wir Sicherheit – hier müssen Schließungen vermieden werden. Denn was ist wichtiger: das Reisen oder die Gesundheitsversorgung und die Bildung unserer Kinder? Merkels Vorstoß für einheitliche Regeln wäre ein wichtiges Signal gewesen.  Eine Erinnerung, dass die Pandemie noch nicht vorbei ist. Dass wir zusammen da durchmüssen. Unser föderales System hat viele Vorteile – aber, dass sich die Politiker selbst in einer Pandemie nicht einigen können, ist ein Desaster.

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | Das NDR 2 Update um 5 | 27.08.2020 | 19:00 Uhr

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