Sendedatum: 28.07.2013 08:40 Uhr

Stephen King: "Joyland"

von Michael Latz

"Bücher lesen mit NDR 2" heißt es am Sonntag im NDR 2 Wochenende. Um 8.40 Uhr stellen wir Ihnen populäre Neuerscheinungen vor - unsere Reporter haben die Bestseller-Listen im Blick und suchen aktuelle Bücher heraus. Der Schwerpunkt liegt auf Belletristik, aber auch Sachbücher lernen Sie bei NDR 2 kennen. Stephen Kings neuen Roman "Joyland" hat NDR 2 Moderator Michael Latz gelesen.

Stephen King - Joyland (Cover) © Heyne Verlag
Collegestudent Devin taucht in "Joyland" ein in die geheimnisumwobene Welt der Schausteller.

Spaß ist ein Geschäft! Das ist allen Mitarbeitern des Freizeitparks "Joyland" an der Atlantikküste von North Carolina klar. Und trotzdem ist bei ihnen etwas anders. "Joyland" ist eben kein Park, hinter dem ein großer Unterhaltungskonzern steckt. Stattdessen bietet der in die Jahre gekommene Betreiber, der ständig am Rand der Pleite steht, allerlei schrägen Gestalten eine Heimat. "Joyland" ist ein Freizeitpark, der eher einem Jahrmarkt ähnelt. Die Menschen dort begreifen sich als Schausteller – und sprechen sogar den Jargon, die Sprache der Kirmesleute.

"Der, der das Fell trägt"

Devin Jones taucht mit Anfang 20 in diese Welt ein. Es ist 1973, und der Collegestudent erlebt den Sommer seines Lebens. Als sich abzeichnet, dass seine Freundin ihm den Laufpass geben wird, nimmt Devin einen Sommerjob im Park an – und setzt sogar ein Semester aus, um nach der Saison als Vollzeitkraft dort zu bleiben. Während der Liebeskummer ihn abends zu den Platten von The Doors greifen lässt, bringt er tagsüber in der brütenden Sommerhitze Kinder zum Lachen – als "Der, der das Fell trägt". Damit ist in Joyland derjenige gemeint, der als das Parkmaskottchen "Howie, the Happy Hound" auftritt. Was anfangs wie eine Strafe wirkt, macht Devin mehr und mehr Spaß. Er gilt als der beste "Howie" im Park.

Stephen King © picture-alliance / dpa Foto: Abaca Olivier Douliery
Stephen King gehört zu den produktivsten Schriftstellern der Gegenwart: "Joyland" ist bereits Roman Nummer 43.

Die erste Häfte von "Joyland" könnte man mit gutem Gewissen in die Schublade "Bücher über das Erwachsenwerden" einsortieren. Aber Stephen King gibt sich damit längst nicht zufrieden. Im Gegenteil: "Joyland" hat auch eine dunkle Seite. In der Geisterbahn spukt es tatsächlich. Jahre zuvor ist dort eine junge Frau umgebracht worden, die nun hin und wieder als unheilvolle Warnung erscheint. Der Mord wurde nie aufgeklärt – und natürlich findet Devin schließlich wichtige Hinweise.

Jugend-Nostalgie mit Mystery und Grusel

Und auch Devin selbst ist mehr als der charmante und einfühlsame junge Mann. "Ein Schatten" liegt über ihm, sagt die Hellseherin des Parks. Und während sich Devin noch fragt, ob er Madame Fortuna als Jahrmarktsschwindel abtun soll, treten ihre Vorhersagen in seinem Leben ein. Zum Beispiel rettet er im "Howie"-Kostüm einem kleinen Mädchen das Leben – einen anderen Jungen, dem er nach Feierabend am Strand begegnet, kann Devin dagegen nicht retten. Trotzdem ist die Begegnung mit Mike und seiner Mutter für den jungen College-Studenten einschneidend.

Riesenrad , Gewitterhimmel und die Silhouette eines Kindes (Montage) © fotolia.com Foto: Vera Kuttelvaserova, Gina Sanders
Dunkle Vorhersagen, mysteriöse Mordfälle und mehr Spuk in der Geisterbahn, als einem lieb ist - "Joyland" vermischt Mystery mit Jugendnostalgie.

Stephen King verwebt in "Joyland" ein wenig Jugend-Nostalgie, eine ordentliche Brise Mystery und Grusel sowie einen Schuss Krimi zu einer dichten und einfühlsamen Geschichte. Ohne dass man es bemerkt, rutscht man tief hinein in diese Welt – da macht es überhaupt nichts, dass abgesehen von ein paar dunklen Vorhersagen lange nicht erkennbar ist, wohin die Geschichte eigentlich steuert. Behutsam und ruhig geht es auf den meisten der etwa 350 Seiten zu – aber eben nicht langweilig. Das Leben auf und von dem Rummel, die erste Liebe und die erste Enttäuschung, die Hoffnung und der Schmerz, das Reale und das Geheimnisvolle – das alles liegt nah beieinander und manchmal sind die Grenzen verschwommen. Stephen King macht damit nichts Anderes als die Schaustellerfamilie im Freizeitpark: Er verkauft Spaß!

Joyland

von Stephen  King
Seitenzahl:
352 Seiten
Genre:
Krimi
Verlag:
Heyne Verlag
Bestellnummer:
978-3-453-268722
Preis:
19,99 €

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | Buchtipp | 28.07.2013 | 08:40 Uhr

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