Sendedatum: 11.07.2018 17:00 Uhr

Urteile im NSU-Prozess: Vieles bleibt ungeklärt

von Tim Aßmann, NDR 2 München
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Die Angeklagte Beate Zschäpe im Münchener Gerichtssaal am 11. Juli 2018

Es schien sie nicht zu überraschen. Dass das Gericht an ihrer Legende von der fremdbestimmten Mitläuferin, die nichts vorher wusste und das Morden und Bomben nicht wollte, mindestens massive Zweifel hatte, musste Beate Zschäpe schon vor dem Urteilsspruch ahnen. Nun ist klar: Das Gericht glaubt ihr kein Wort.

Es bleiben offene Fragen

Der Schuldspruch gegen Beate Zschäpe ist die logische Konsequenz aus der Beweisaufnahme. Das Gericht sieht einen essentiellen Tatbeitrag der Hauptangeklagten und das ist nachvollziehbar. Es war Beate Zschäpe, die der Terrorzelle nach außen den Anstrich der Normalität verpasste. Sie tarnte ab, sie legendierte und am Ende zündete sie die Wohnung an, im offenkundigen Bemühen, Beweise zu vernichten.

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Das Münchner Gericht hat sich die Entscheidung gut überlegt. Die Beweisaufnahme war akribisch. Es galt aufzuklären, was angeklagt war. Diesem Auftrag ist der Senat um den Vorsitzenden Richter Götzl umfänglich nachgekommen. Dass am Ende offene Fragen bleiben, ist dem Gericht nicht vorzuwerfen. Das Aufklärungsversprechen, das die Kanzlerin den Opferangehörigen gab - das Gericht hat seinen Anteil an der Erfüllung geleistet. Dennoch ist die tiefe Enttäuschung der Familien der NSU-Opfer nachvollziehbar, denn nicht immer in der Beweisaufnahme hatte man den Eindruck, dass die staatlichen Institutionen wirklich alles taten um aufzuklären.

Tat der Staat genug für die Aufklärung?

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Hörfunkkorrespondent Tim Aßmann, München

In Erinnerung bleiben Verfassungsschützer, die mit äußerst eingeschränkten Aussagegenehmigungen im Zeugenstand Platz nahmen oder sich in einem Fall im Gerichtssaal weigerten, Akten zu übergeben. Die Rolle des Verfassungsschutzes ist nur eine offene Frage, die die Opferfamilien umtreibt. Ungeklärt außerdem: Halfen örtliche Neonazis den Mordschützen Mundlos und Böhnhardt bei der Opferauswahl? Bestand der NSU wirklich nur aus drei Mitgliedern? Das Gericht hat sich nun in der Urteilsbegründung festgelegt. Immer wieder war vom Trio die Rede, davon, dass Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe alleine handelten und entschieden.

Dass das die Opferangehörigen empört, ist nachvollziehbar. Sie haben Anspruch auf Antworten: Der NSU-Prozess konnte sie nur zum Teil geben. Die Aufklärungsarbeit ist noch nicht abgeschlossen.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | Der NDR 2 Kurier um 5 | 11.07.2018 | 17:00 Uhr

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