Sendedatum: 16.10.2017 17:00 Uhr

Nach der Landtagswahl ist vor den Sondierungsgesprächen

von Anja Günther, NDR 2 Berlin

Es ist Quatsch, wenn der eine oder andere Politiker jetzt sagt, dass die Sondierungsgespräche für eine Jamaika-Bundesregierung nach der Landtagswahl in Niedersachsen schwieriger werden. Wie anspruchsvoll die Sondierungen sein werden, war schon vorher klar, weil die potentiellen Partner Union, FDP und Grüne, teilweise Welten trennen. Für Erfolg oder Misserfolg der Sondierungen ist das Niedersachsen-Wahlergebnis nicht entscheidend. Vor allem Angela Merkel hat nun wirklich andere Sorgen, als darüber noch lange nachzudenken.

Ein "Weiter so" wird nicht reichen

Die CDU-Bundesvorsitzende steht unter Druck. In ihrer Partei rumort es unverändert. Ein "Weiter so" wird nicht reichen, um die Gemüter zu beruhigen. Merkel muss zeigen, dass sie verstanden hat, was die Wählerinnen und Wähler sorgt. Und sie muss einen strategischen Kurs finden, den auch die CSU mittragen kann, die eine bürgerlich-konservative Handschrift der Union für die Zukunft fordert.

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Kommentar von Anja Günther, NDR 2 Berlin.

Auch wenn CSU-Chef Horst Seehofer betont, die Unions-Führung müsse in die gleiche Richtung handeln und denken: Auf diesen Schulterschluss kann sich die Kanzlerin nicht dauerhaft verlassen. Auf Merkel kommt also eine Herkulesaufgabe zu: Sie muss der CDU eine klare Richtung vorgeben, die CSU besänftigen und gleichzeitig tragbare Koalitions-Kompromisse mit FDP und Grünen aushandeln. Schafft Merkel das, dürften ihre Kritiker verstummen. Schafft sie es aber nicht, wäre Merkel als CDU-Parteichefin angezählt.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | Der NDR 2 Kurier um 5 | 16.10.2017 | 17:00 Uhr

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