Stand: 17.08.2019 12:00 Uhr

Verkehrsirrsinn: Fahrradampeln, die ihren Zweck nicht erfüllen

Schleswig-Holstein ist für Verkehrsteilnehmer nicht immer ein leichtes Pflaster. Dauerbaustellen, merkwürdige Ampelschaltungen, Schilderdickichte. Im Juli hat NDR Schleswig-Holstein Sie dazu aufgerufen, von Ihrem ganz persönlichen Verkehrsirrsinn zu erzählen. Dann ging es für unsere Reporter in die Recherche. Herausgekommen sind dabei auch die Geschichten des Pinneberger Fahrrad-Irrsinns.  

Von Hannah Böhme

An der Berliner Straße können Radfahrer lange auf grün warten - oder auf ein Auto, das die Kontaktschleife auslöst.

Die Minuten vergehen, doch nichts passiert. Die Ampel an der Berliner Straße zur Prisdorfer Straße in Pinneberg bleibt rot. Ungeduldig guckt eine Radfahrerin vor der Ampel auf das Signal, dann auf ihre Uhr. Es passiert weiter nichts. Nach einiger Zeit fährt neben der Radfahrerin ein Auto an die Ampel. Die Erlösung: Es wird grün und auch die Radfahrerin kann weiterfahren.

Kontaktschleife mit Eigenheiten

Sie ist offensichtlich eine Verkehrsteilnehmerin ohne Ortskenntnisse. Käme sie aus Pinneberg, hätte sie über die Sperenzchen Bescheid gewusst, die die Ampel mit Radfahrern manchmal treibt. Oder viel mehr über die, die die Kontaktschleife im Boden vor der Ampel treibt. Denn: Nur wer sie an einer ganz bestimmten Stelle genau trifft, bekommt grün und darf weiterfahren. An allen anderen Stellen haben Fahrräder schlicht nicht genügend Metallmasse. "Das liegt an der Konstruktion", erklärt Matthias Walenda vom Fahrradclub ADFC in Pinneberg die Eigenheiten der Schleife. Sie sei an der rechten Seite empfindlicher als in der Mitte, am Rand reagiere sie auch auf weniger Metallmasse. 20 Zentimeter zu weit links reichen also aus und Radfahrer stehen sich an der Prisdorfer Straße ihre Reifen platt.

Mehrere Radfahrer stehen an einer roten Ampel und warten. © NDR

Pinneberg: Eine Ampel, die Radfahrer ignoriert

Schleswig-Holstein Magazin -

An der Kreuzung Berliner Straße / Prisdorfer Straße können Radfahrer lange warten: Die Ampel zeigt Rot. Die Kontaktschleife im Boden reagiert nur auf Autos verlässlich.

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Die Lösung: Simpel

Die Radfahrerin hätte also drei Möglichkeiten gehabt: Sie hätte zufällig genau die richtige Stelle treffen können. Sie hätte auch absteigen und ihr Rad zur Fußgänger-Ampel schieben können. Oder aber - und das ist natürlich keine wirkliche Option - sie hätte bei roter Ampel fahren können. Mit einer neuen Einstellung der Schleife rechnet der ADFC nicht. Da sei die Stadtverwaltung nicht bereit, weil sie erst einmal die neue Westumgehung abwarten wolle und schauen müsse, wie viel Verkehr dann überhaupt noch sei, so Radfahrerin Juliane Besendahl. Für ihren Kollegen liegt die Lösung auf der Hand: "Eine einfache Markierung, wo genau die Stelle ist, die Radfahrer treffen müssen und dann wäre es gut", sagt Andreas Carstensen vom ADFC in Pinneberg.

Warten auf Verstärkung am Ende der Fahrradstraße: Um an der Kreuzung Berliner Straße / Ecke Prisdorfer Straße die Ampelschaltung zu aktivieren, wären 16 Radfahrer nötig. Die Kontaktschleife ist laut Stadt Pinneberg eigentlich auch nur für landwirtschaftlichen Verkehr vorgesehen.
16 Radfahrer nötig, um Kontaktschleife auszulösen

Ähnliche Probleme hatten Radfahrer nur rund drei Kilometer entfernt an der Kreuzung Lange Twiete / Westring berichtet der ADFC. Von Appen kommend endet hier sogar eine separate Fahrradstraße. Auch hier liegt vor der Ampel eine Kontaktschleife im Boden. Und auch sie ignoriert die Radfahrer mit der Begründung: zu wenig Metall. Bei einem Test des NDR Schleswig-Holstein vor einiger Zeit waren 16 Radfahrer nötig, um sie auszulösen. Dieses Problem ist mittlerweile behoben. Die Lösung der Stadt: Ein Schild, das Radfahrer verpflichtet den nebenliegenden Bürgersteig und die anschließende Fußgänger-Ampel zu nutzen. Zu dieser Stelle erklärte die Stadt nun außerdem, dass die vorhandene Kontaktschleife am Ende der Fahrradstraße auch gar nicht für Radfahrer vorgesehen sei, denn die Straße sei auch für den landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben.

Freies Schieben statt freier Fahrt

Aber selbst wenn in Pinneberg die Fahrrad-Ampeln regelmäßig auf grün schalten, bedeutet das nicht an jeder Ampel, dass Radfahrer freie Fahrt haben. Vielleicht "freies Schieben": An der Pinneberger Mühlenstraße hin zum Westring stößt der offizielle Radweg auf eine Fußgänger-Ampel. Die dürften Radfahrer laut Straßenverkehrsordnung aber nicht nutzen, erklärt Matthias Walenda. "In der Straßenverkehrsordnung steht, dass Radfahrer die Autoampeln zu nutzen haben. Es sei denn, es gibt eine gesonderte Signalisierung für Radfahrer."

Radfahrer müssten sich an der Kreuzung Mühlenstraße / Westring eigentlich an den Lichtzeichen der Ampel für Autos orientieren. Diese ist aber auf der gegenüberliegenden Straßenseite und kaum zu erkennen. Da hilft nur eins: Zum Fußgänger werden und das Rad schieben.

Ein Beispiel wäre eine Ampel mit einem Symbol für Fußgänger und Radfahrer. Die gibt es an der Kreuzung Mühlenstraße / Westring in Pinneberg aber nicht. Demnach wäre für Radfahrer die normale Autoampel gültig. Die allerdings liegt weit entfernt auf der gegenüberliegenden Straßenseite und ist maximal mit zusammengekniffenen Augen erkennbar.

Einzige Möglichkeit für Radfahrer: Absteigen und schieben. Und das über drei separate Ampeln, die alle getrennt voneinander angefordert werden müssen. Freie Fahrt sieht anders aus.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Guten Morgen Schleswig-Holstein | 16.08.2019 | 11:42 Uhr

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