Stand: 05.12.2019 18:57 Uhr

Schlei: Neues Rechtsgutachten zur Wiking-Halbinsel

Im Boden der Wiking-Halbinsel in Schleswig lagern seit Jahrzehnten hochgiftige Chemikalien eines ehemaligen Gaswerks und einer Teer- und Dachpappenfabrik. Der Untergrund rund um den Wikingturm ist verseucht, das bestätigen Untersuchungen. Wie das Areal saniert werden soll und wer dafür zahlt, ist immer noch unklar. Seit Donnerstag liegt ein Rechtsgutachen vor. Danach müsste die Stadt die Sanierung durchführen und bezahlen. Die Kosten: Mehr als 14 Millionen Euro.

Stadt Schleswig soll laut Gutachten bezahlen

Der Kreis Schleswig-Flensburg und die Stadt Schleswig streiten schon lange darüber, wer für die Beseitigung der giftigen Altlasten verantwortlich ist. Der Kreis hatte einen Kieler Fachanwalt für Umweltrecht damit beauftragt, für Klarheit zu sorgen. Die Stadt Schleswig unterstützte das Gutachten. Zwei Fragen standen im Mittelpunkt: Welche Sanierungsmaßnahmen kommen überhaupt in Frage? Und wer müsste das Ganze bezahlen? Das Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass die Stadt Schleswig als "gesamtschuldnerisch haftender Zustandsstörer" für die Sanierung verantwortlich ist - . Sie ist zwar nicht Verursacher, auf den städtischen Grundstücken befinden sich laut Gutachten aber die meisten Altlasten.

Bodenaustausch statt Spundwände

Der Kreis Schleswig-Flensburg und die Stadt Schleswig sprechen sich für eine nachhaltige Lösung aus. "Dies beinhalte den Austausch des verunreinigten Bodens sowie der belasteten Schlei-Sedimente", sagte Landrat Wolfgang Buschmann (parteilos). Mehr als 14 Millionen Euro kostet diese Maßnahme. Eine Alternative wäre der Bau von Spundwänden. Sie würden verhindern, dass sich die Giftstoffe weiter ausbreiten. Jedes Jahr müsste der Boden gereinigt und die Spundwände nach einigen Jahrzehnten ausgetauscht werden. Das würde allerdings Folgekosten in Millionenhöhe bedeuten. Der Kreis als Bodenschutzbehörde ist für das Verfahren zuständig.

Wohnhaus und Hallen müssen abgerissen werden

Nach den Worten von Thorsten Roos, Fachbereichsleiter Bau und Umwelt beim Kreis, sind auch Privatleute von der Sanierung unmittelbar betroffen. Ein Ehepaar besitzt auf dem Areal mehrere Hallen, ein weiterer Eigentümer ein Wohnhaus. "Wir haben die Betroffenen bereits informiert", so Roos. Demnach wird der Kreis den Rückbau, also den Abriss der Gebäude, verfügen müssen. "Wir wissen um die unmittelbar wirklich existenziellen Bedrohungen", so der Fachbereichsleiter weiter. Für die Grundstückeigentümer soll vor dem Start der Bauarbeiten nach angemessenen Lösungen gesucht werden.

Politik will Finanzierung klären

Das Gutachten sieht die Stadt in der Pflicht, die Sanierung zu bezahlen. Doch Schleswigs scheidender Bürgermeister Arthur Christiansen (parteilos) stellt bereits klar: "Alleine könne Schleswig die Sanierung nicht bezahlen". Nun wird er die städtischen Gremien informieren. Mitte Dezember soll die Ratsversammlung entscheiden, ob sich die Stadt an den Kosten beteiligt. Im Januar folgen dann Gespräche mit Stadt und Bund über eine mögliche Kostenaufteilung. Teile des vergifteten Areals gehören laut Grundbucheintrag nicht mehr dem Land, sondern dem Bund. Schleswig-Holstein Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) hatte zuletzt aber signalisiert, dass das Land seinen Teil zur Bewältigung dieser Aufgabe beitragen werde. "Hierzu seien bereits Vorschläge unterbreitet worden und man stehe weiter für Gespräche bereit", so Albrecht.

Start der Sanierung 2022

Läuft alles nach Plan, könnte nach Angaben des Kreises 2022 mit der Sanierung der Schleihalbinsel begonnen werden. Bei der Vorstellung des Rechtsgutachtens zeigten sich am Donnerstag alle Beteiligten in Schleswig verhalten optimistisch.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 29.11.2019 | 17:00 Uhr

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