Stand: 23.02.2020 06:00 Uhr

Des Kaisers neues Heck - ein Dampfer auf Schönheitskur

von Céline Sonnenberg

Gleich zwei Heckteile liegen in der Hitzler-Werft in Lauenburg: das eine Heck wurde genietet, das andere ist verschweißt. Hier in der Hitzler-Werft wird gerade an einem neuen Heck für einen königlichen Kunden gearbeitet: Für den antiken Raddampfer "Kaiser Wilhelm". Der 120 Jahre alte Dampfer wird für die neue Saison generalüberholt, damit er auch in diesem Jahr weiter auf der Elbe fahren kann.

Ein schwimmendes Denkmal auf der Elbe

270 Gäste haben auf dem antiken Raddampfer Platz, wenn er zwischen April und September seine Touren auf der Elbe macht. Doch gerade bewegt sich der alte Kaiser wenig. Das alte Heck wurde abmontiert, die Dampfmaschine ist abgedeckt und der Dampfer liegt ruhig im Becken der Hitzler-Werft. Die "Kaiser Wilhelm" zu restaurieren, sei ein Spagat zwischen dem Denkmalschutz für einen Dampfer mit Baujahr 1900 und modernen Vorschriften, erzählt Markus Reich. Der Lauenburger Reeder ist seit 2013 der Erste Kapitän der "Kaiser Wilhelm". "Das Schwierigste ist, so viel wie möglich von der alten Substanz zu erhalten. Das wird dann richtig teuer." Man müsse auch die neuesten Vorschriften einhalten, erklärt Markus Reich, da man Rechenschaft gegenüber dem Denkmalamt ablegen müsse.

1,45 Millionen Euro kosten die Reparaturen

Der Dampfer ist einer von nur zwei antiken Raddampfern in ganz Deutschland, die noch mit Kohle betrieben werden. 1970 hat der Verein zur Förderung des Lauenburger Elbschifffahrtsmuseums den Raddampfer gekauft. Seitdem bemüht sich der Verein, das Schiff so originalgetreu wie möglich zu bewahren. Ungefähr 60 bis 70 Prozent des Schiffs, zum Beispiel die Dampfmaschine, sind noch original erhalten, schätzt Markus Reich. Für die umfangreichen Reparaturen in diesem Winter hat der Verein 950.000 Euro von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Monika Grütters, erhalten. Zusätzlich kommt Geld vom Verein selbst. Insgesamt kosten die Reparaturen 1,45 Millionen Euro. In diesem Winter soll der Dampfer ein neues Heck, einen neuen Schornstein und einen neuen Kessel bekommen.

Ein Zeugnis der Zeit

Der neue Kessel kann das Wasser nun elektrisch vorheizen. Um ein Drittel wird so die Zeit des Heizens mit Kohle reduziert. Ein kleiner Versuch, den antiken Dampfer etwas umweltfreundlicher zu machen, auch wenn das bei einem Kohleantrieb natürlich schwer ist. Trotzdem soll der antike Antrieb beibehalten werden. Markus Reich findet es besonders wichtig, zu zeigen, wie viel sich technisch in den letzten 200 Jahren getan hat: "Der Dieselmotor ist gerade mal knapp 130 Jahre alt! Früher gab es nicht mal eine Bahnverbindung zwischen Lauenburg und Hamburg, sondern nur Schiffe. Daran - wie viel technisch passiert ist - wollen wir mit der "Kaiser Wilhelm" nicht nur diese, sondern auch die nächste Generation erinnern."

Amg 26. April soll der "Kaiser" wieder starten

Das liegt auch Werner Büker besonders am Herzen. Er ist der technische Leiter der Lauenburger Werft und seit 2013 für den "Kaiser" zuständig. Während der Reparaturen musste er vor allem lernen, zu improvisieren: "Jeden Tag ist eine neue Überraschung dabei. Jetzt zum Beispiel fehlen uns beim Schornstein 200 Millimeter Länge. Im versteckten Bereich, den wir vorher nicht einsehen konnten, waren noch Teile, die wir bei der Planung übersehen haben." Bei solchen Problemen müssen sich Markus Reich und Werner Büker immer wieder austauschen. Fast täglich sind die beiden Männer im Kontakt, ob persönlich in der Werft oder über Telefon und WhatsApp. Am 26. April soll der "Kaiser" wieder startklar sein. Dann möchte Markus Reich mit dem Raddampfer wieder das Flaggschiff der Parade zum Kurs-Elbe-Tag in Lauenburg sein. Zum 50-jährigen Jubiläum soll die "Kaiser Wilhelm" dieses Jahr auch auf die Weser zurückkehren - dann hoffentlich mit einem fertigen neuen Deck.

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NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein von 10 bis 2 | 23.02.2020 | 10:05 Uhr

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