Stand: 02.08.2018 12:32 Uhr

Neue Sicherheits-Chefs in Wacken

von Jörn Schaar

Die Nachricht im April war für Macher und Fans des Wacken Open Airs ein Schock: Thomas Hess ist tot. Der ehemalige Tourmanager der Böhsen Onkelz arbeitete seit Jahren als Veranstaltungsleiter und Sicherheitskoordinator für die Organisatoren des Wacken Open Air - und nicht nur dort: Hess half auch bei anderen Events aus der Wacken-Feder mit. Seine Aufgaben übernehmen nun gleich drei Leute - und die treten in große Fußstapfen.

Tiefe Freundschaft zu Wacken-Gründern

"Thomas war für Holger und mich einer unserer wenigen echten Freunde", erzählt Wacken-Mitbegründer Thomas Jensen. Er ist seit 1996 mit Hess durch dick und dünn gegangen und hat dabei viel erlebt. "Ein ganz großes Herz hatte der und er war ein rauer und ehrlicher Typ, ein ganz großer Mensch", erinnert sich Jensen an seinen Freund. "Auch wenn wir die Position neu besetzen können: Die Lücke, die Hess hinterlassen hat, können wir nicht auffüllen." Auch wenn er selbst nicht raucht: Noch heute trägt Jensen das goldenes Feuerzeug in der Tasche, das sein Kumpel jahrzehntelang immer dabei hatte.

Wenn Jensen über Hess spricht, bebt seine Stimme leicht. "Eigentlich hatten wir mal den Plan, dass wir hier in Wacken wie die beiden alten Deppen aus der Muppet-Show auf der Ehrentribüne sitzen und den jungen Leuten erzählen, was sie alles falsch machen", erzählt Jensen. "Aber Thomas wäre der Letzte gewesen, der in eine Gefühlsstarre verfallen wäre - der hätte gleich gesagt: 'Auf, Jungs, jetzt geht's weiter'."

Drei Profis ersetzen Thomas Hess

Einen zweiten Thomas Hess kann es für Jensen nicht geben. Die Aufgaben des Veranstaltungsleiters und Sicherheitschefs übernehmen zunächst drei Leute: Heidrun Vogler, Stefan Mohnen und Daniel Schlatter. Vogler hat mit Hess jahrelang in dessen Security-Firma gearbeitet. "Sie hat das Wissen und sie kennt uns und unser Unternehmen," sagt Jensen, "das läuft exakt so weiter wie früher". Mohnen ist Veranstaltungsprofi und übernimmt den technischen Teil beim Aufbau. Schlatter ist der neue Veranstaltungsleiter und arbeitet eng mit Mohnen zusammen. "Die Arbeit wird bei uns ja nicht weniger: Wacken wächst weiter und wahrscheinlich hätten wir auch mit Hess irgendwann darüber nachgedacht, jemand Neues zu holen", so der Wacken-Mitbegründer Jensen.

Der Reporter
NDR 1 Welle Nord

Jörn Schaar

NDR 1 Welle Nord

Jörn Schaar ist Hörfunkjournalist im NDR Studio Heide. Er kümmert sich um Themen von Krokusblüte bis Wacken - was halt so anfällt. mehr

Nachfolger kommen aus der Festival-Familie

Daniel Schlatter arbeitet schon seit 2008 mit den Wacken-Machern zusammen. Der Volljurist hat sich schon während seines Studiums für den Veranstaltungsbereich interessiert und dort fortgebildet. Vor zehn Jahren hat er ein neues Verkehrsleitkonzept für die An- und Abreise der Fans entwickelt, mit der Staus im Wackener Ortskern und in den umliegenden Dörfern weitestgehend vermieden werden konnten. Stefan Mohnen ist laut Jensen eine Instanz in der Veranstaltungsszene mit viel Erfahrung. "Der macht das mit ganz ruhiger Hand, soweit ich das mitgekriegt habe", sagt Jensen. Mohnen sei ganz anders als Thomas Hess, aber das sei auch genau das, was sie jetzt bräuchten - eine Hess-Kopie helfe gerade nicht. "Ich glaube, da haben wir eine gute Wahl getroffen", meint Jensen.

"Da ist viel Druck drin"

Eine von hinten aufgenommene Polizistin mit einer Weste auf der Polizei steht zeigt mit ihrer rechten Hand nach rechts. © dpa-Bildfunk Foto: Axel Heimken

Wandel in Wacken und Streben nach Sicherheit

NDR 1 Welle Nord - Nachrichten für Schleswig-Holstein -

Überall Straßensperren, Bauzäune und Polizisten: In dieser Woche ändert sich das Leben für die Dorfbewohner radikal. Die Sicherheit beim Wacken Open Air ist ein Thema in dieser Podcast-Folge.

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Schlatter ist ein kräftiger Typ, der im kurzärmligen Karohemd zum Gespräch kommt und nach wenigen Minuten erstmal sein Funkgerät ausschalten muss, weil es in einer Tour am Gürtel quakt. "Wir haben hier neun Bühnen, drei davon ziemlich groß - aber auch mit den anderen Bühnen gibt's genug zu tun", berichtet Schlatter. "Im Bullhead City Circuszelt feiern abends bis zu 10.000 Menschen, da ist viel Druck drin." Über Nacht werde von Mitarbeitern einerseits auf dem Campingplatz geguckt, ob alles in Ordnung sei, andererseits werde das eigentliche Festivalgelände gereinigt und für den nächsten Tag vorbereitet: Während das Festival läuft, trägt Schlatter für den Zustand des Geländes die Verantwortung. "Da gibt's morgens eine Abnahme, ob alles passt", sagt er, "dann haben wir zwei Mal täglich Sicherheitsbesprechungen - auch mit der Polizei - und wenn abends die Leute auf dem Gelände unterwegs sind, müssen wir natürlich auch genau hingucken."

Pädagogische Erfahrung von Vorteil

Über seinen Kollegen Mohnen sagt Schlatter, er sei ein sehr gewissenhafter, technisch geprägter Mensch, der mit seinen Interessen weit über den Tellerrand blicke. Neben seiner Ausbildung zum Meister für Veranstaltungstechnik sei Mohnen unter anderem Diplom-Betriebswirt. "Wenn er technisch was plant, weiß er, was meine Interessen in der Veranstaltungsleitung sind", meint Schlatter. Er muss weiter, zum nächsten Termin - doch bevor er sich verabschiedet, verrät er grinsend: "Gestern hat Stefan zu mir gesagt: 'Ich weiß schon genau, warum ich Erzieher bin'."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 02.08.2018 | 12:00 Uhr

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