Dr. Bernd Buchholz, Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus des Landes Schleswig-Holstein im Portrait. © picture alliance / Flashpic | Jens Krick Foto: Jens Krick

Bernd Buchholz fühlt sich auf der politischen Bühne wohl

Stand: 16.11.2021 18:03 Uhr

Wirtschaftsminister Bernd Buchholz soll Spitzenkandidat der FDP für die Landtagswahl im kommenden Jahr werden. Ein weiterer Schritt in der politischen Karriere des 60-Jährigen, der schon in den 90er-Jahren im Landtag für Aufsehen sorgte.

von Anna Grusnick

Wenn Bernd Buchholz ans Rednerpult im Schleswig-Holsteinischen Landtag tritt, dann hat er die Bühne für sich: spricht frei, forsch und leidenschaftlich. Er scheint diese Auftritte zu genießen - und zwar egal, ob es um Haselmäuse an der geplanten Autobahntrasse, um Pkw-Maut oder um Tourismus in Coronazeiten geht.

Seit 2017 ist der FDP-Politiker Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus in Schleswig-Holstein. Ein großes Ressort, das viel Geschick erfordert, weil sehr viele unterschiedliche Interessen zusammenzubinden sind. Bernd Buchholz ist ein Politiker dessen Lebenslauf vom Wechsel geprägt ist.

Buchholz in der 90ern als Abgeordneter forscher als Kubicki

Der 60-Jährige Jurist fand seine politische Heimat schon früh bei der FDP: Dort ist er seit 1981 Mitglied, war von 1987 bis 1990 Landesvorsitzender der Jungen Liberalen in Schleswig-Holstein. Von 1992 bis 1996 war er Landtagsabgeordneter und Vorsitzender im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Schubladen-Affäre. Im Landtag fiel er damals durch besonders viele Zwischenrufe und sein forsches Auftreten auf, so dass selbst Wolfgang Kubicki ruhig im Vergleich zu ihm wirkte.

Dann der Schritt aus der Politik in die Medienbranche: ein ganz anderes Pflaster mit ganz neuen Aufgaben. 1996 wird Buchholz zunächst Vorstandsassistent bei Gruner und Jahr in Hamburg. 2009 dann Vorstandschef bis 2012. Ein Leben zwischen Hamburg, Shanghai und Buenos Aires, ein Kräftemessen mit den Großen der Branche.

Abruptes Karriereende als Medienmanager

Das Ende - abrupt: Buchholz scheidet bei Gruner und Jahr aus, weil, so heißt es in verschiedenen Medien, das Verhältnis zu Mehrheitseigner Bertelsmann gestört gewesen sei. Ein Karriereknick nach Jahren des Aufstiegs, der allerdings mit einer Millionenabfindung für Bernd Buchholz vergoldet wird.

Nach Jahren in der Wirtschaft eröffnet sich für Buchholz nun die Möglichkeit, wieder politisch mitzumischen, er bewirbt sich um ein Bundestagsmandat. Er schätzt, so sagt er es damals in einem Interview mit NDR Schleswig-Holstein, "die Gestaltungsmöglichkeiten, die man in der Politik, hat." Er glaube, "dass man total unterschätzt, dass man in der Politik viel bewirken kann". Ihn reize es zu gestalten. "Mich reizt auch in einer Situation, in der man nicht so optimal dasteht, einen Beitrag zu leisten, wenn man mich lässt, dieses Gesamterscheinungsbild eventuell etwas zu verbessern."

Plön statt Peking: Buchholz wird Landesminister

Doch aus dem Einzug in den Bundestag wird nichts, die FDP scheitert an der Fünf-Prozent-Hürde, so dass Buchholz statt in Berlin als Abgeordneter in Hamburg in einer Anwaltskanzlei arbeitet. 2017 dann der erneute Ruf nach Kiel: Bernd Buchholz wird zum Minister berufen – in der Jamaika-Koalition von Ministerpräsident Daniel Günther (CDU). Wilster, Bordesholm und Plön statt Peking und New York. Der Drang, zu gestalten, größer denn je: "Wenn Sie einen Impuls setzen, und wenn dieser Impuls dann irgendwann später mal aufgenommen wird und fernab dieses parteipolitischen Gezänks dann wirklich Realität wird, finde ich schon, man kann gestalten."

Keine One-Man-Show, sondern Teamplayer: Bernd Buchholz muss lernen, sich in das Kabinett einzufügen, ein Ministerium mit Verwaltungsstrukturen zu führen, sich manchmal zurückzunehmen. Politische Wegbegleiter wie Daniel Günther bescheinigen ihm, dass dieses gelingt, sind beeindruckt davon, wie gut sich Bernd Buchholz auf alles vorbereitet, wie detailreich seine Kenntnisse sind, wie professionell er als Minister agiert. Die Grünen mussten sich an einen wie ihn erst gewöhnen – manchem war er zu forsch und selbstbewusst.

Die Corona-Pandemie stellt Buchholz dann vor ganz neue Herausforderungen: Während er zuvor die positiven Tourismuszahlen lobte, muss er nun den Tourismus auf Null herunterfahren, muss den Gastronomen und dem Einzelhandel die Schließungen erklären, macht sich gleichzeitig aber auch im Bund für zügige Wirtschaftshilfen stark. Nun verbreitet er Optimismus, sieht einen Hoffnungsschimmer am Horizont für die Tourismusbranche und für den Arbeitsmarkt.

Auch wenn der Seniorenbeirat schreibt: Buchholz will weitermachen

Bernd Buchholz ist viel Land unterwegs. Zeit für seine Frau, seine zwei Kinder und den Hund bleibt wenig. Sehr gerne, wie er sagt, zieht er die Lederkluft an und dreht eine Runde mit seinem Motorrad BMW R 100 R, Baujahr 1994. Daran, kürzer zu treten, denkt Buchholz noch lange nicht. Auf dem Empfang zu seinem 60. Geburtstag machte er klar, dass sein beruflicher Werdegang noch nicht zu Ende ist. Räumte allerdings ein, dass es ihn schon beschäftigt habe, als er Anfang des Jahres die Unterlagen zur Wahl des Seniorenbeirates in Ahrensburg erhielt. "Das ist ein untrügliches Zeichen. Es ist so weit, ich werde pensionsberechtigt."

Statt Pension soll es in der Politik weitergehen: Als Spitzenkandidat seiner Partei will er in den Landtagswahlkampf ziehen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 16.11.2021 | 16:00 Uhr

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